Unter dem Motto „Zuhören, Aufnehmen, Mitnehmen“ lud die AG Wohlfahrt Paderborn führende Vertreter der Politik zum Austausch über die Folgen möglicher Sozialkürzungen ein.

 

Rund 50 Vertreter gemeinnütziger Träger diskutierten mit Carsten Linnemann (CDU), Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) und Norika Creuzmann (Grüne). Ein menschengroßer Jengaturm symbolisierte dabei die Zerbrechlichkeit der sozialen Infrastruktur: Werden einzelne Bausteine entfernt, gerät das gesamte System ins Wanken.

 

Im Mittelpunkt standen die Themen Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sowie die Tarifbindung. Dr. Stefan Vogel (DRK) bezeichnete das PNOG als Spargesetz, das Probleme lediglich verschiebe. Vanessa Kamphemann (Diakonie) machte deutlich: „Was ich heute einspare, muss ich morgen an anderer Stelle deutlich teurer finanzieren.“ Dr. Eva Brockmann (Caritasverband Paderborn) verwies darauf, dass Investitionen in Prävention langfristig erhebliche Folgekosten vermeiden können. Die Träger betonten, dass soziale Angebote keine freiwilligen Leistungen, sondern unverzichtbare Hilfen für Familien, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen seien.

Kritik gab es auch an den Plänen zur Refinanzierung tarifgebundener Löhne. Tobias Berghoff (Caritasverband Paderborn) sprach von einem politischen Widerspruch: Tariftreue werde eingefordert, die Finanzierung der Tarife aber infrage gestellt. Dies verschärfe den Fachkräftemangel und gefährde die Qualität sozialer Angebote.

 

Ein weiteres zentrales Thema war die hohe Bürokratiebelastung. Carsten Linnemann kritisierte die umfangreichen Dokumentationspflichten und bezeichnete sie als Ausdruck mangelnden Vertrauens gegenüber den Trägern. Die Wohlfahrtsverbände forderten mehr Digitalisierung, weniger Bürokratie und mehr Vertrauen, damit Mitarbeitende wieder mehr Zeit für die direkte Arbeit mit Menschen haben.

 

Zum Abschluss appellierte die AG Wohlfahrt an die Politik, notwendige Haushaltskonsolidierungen nicht zulasten der sozialen Infrastruktur vorzunehmen. Prävention und soziale Unterstützung seien Investitionen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer heute an sozialen Leistungen spare, verursache morgen höhere gesellschaftliche und finanzielle Folgekosten.

 

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