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2016 07 05 Runder Tisch Armut Schwimmfluegel kl
Im Rolandsbad: Hubert Stork, Geschäftsführer Paderbäder GmbH, (r.) nimmt von den Vertretern des Runden Tisches Armut Paderborn (v. l.) Uwe Hoffmann, Vorsitzender Paderborner Tafel e.V., Jutta Vormberg, Vorstand Diakonie Paderborn-Höxter e.V., Susanne Bornefeld, Sozialbeauftragte Evangelischer Kirchenkreis Paderborn, Claudia Englisch-Grothe, Sozialdienst katholischer Frauen Paderborn, Schwester Elrike Tyws, Vinzentinerinnen, Karsten Hentschel, Caritasverband Paderborn, Ulla Hoentgesberg, Geschäftsführerin AWO Kreisverband Paderborn und einem der Spender, Dr. Philipp Hoffmann, Apotheke Schöne Aussicht, die Schwimmflügel entgegen. Foto: Oliver Claes


Paderborn. Der Runde Tisch Armut Paderborn hat den Paderbädern 250 Paar Schwimmflügel übergeben. Er möchte damit dazu beitragen, dass möglichst viele Kinder Schwimmen lernen. Die Schwimmflügel werden im Rolandsbad Paderborn und im Waldbad Schloß Neuhaus deponiert. Finanziert wurden sie von insgesamt drei Spendern, die der Runde Tisch Armut angesprochen hatte. Paderbäder-Geschäftsführer Hubert Stork freut sich über die Spende: „Das ist eine tolle Idee und hilft uns sehr.“ Das Thema Sicherheit werde von Kindern und Jugendlichen, auch aus Flüchtlingsfamilien, oft unterschätzt. Der Umgang mit der Einrichtung Schwimmbad müsse gelernt werden, betonte Stork.

Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie Paderborn-Höxter e.V., erinnerte daran, dass auf Antrag des Runden Tisches Armut seit drei Jahren Kinder einkommensschwacher Eltern in den Sommerferien kostenlos die Freibäder besuchen können. „Wie im letzten Jahr hat auch eine Begleitperson als Aufsicht für kleine Kinder ebenfalls freien Eintritt.“

Ulla Hoentgesberg, Geschäftsführerin des AWO Kreisverbandes Paderborn, appellierte an alle Eltern, ihren Kindern Schwimmen beizubringen bzw. die in den Ferien angebotenen Schwimmkurse zu nutzen.

Der Runde Tisch Armut Paderborn ist ein Zusammenschluss sozialer Institutionen und Einrichtungen sowie der evangelischen und katholischen Kirche in Paderborn, die seit 2006 zusammenarbeiten.

 

Paderborn (dph). Das Schuljahr geht zu Ende und viele Schulen geben jetzt die Materiallisten für das nächste Schuljahr heraus. Nach wie vor wissen viele Paderborner Familien nicht, wie sie Schreibmaterialien, Zeichenblöcke und Farbkästen, vor allem aber auch Tornister und Rucksäcke bezahlen sollen. Besonders bei Schulanfängern, die sich komplett neu ausstatten müssen, werden die Kosten für einen Tornister schnell zu einem kaum lösbaren Problem.

Hier unterstützt die Schulmaterialienkammer der Diakonie mit der kostenlosen Ausgabe von Material an bedürftige Familien. Auch Rucksäcke und Tornister können in der Ausgabestelle im evangelischen Lukas-Gemeindezentrum am Laugrund 5 abgeholt werden. Um dieses Angebot aufrecht erhalten zu können, ist die Diakonie Paderborn-Höxter e. V. auf Spenden angewiesen und benötigt dringend gut erhaltene gebrauchte Tornister und Rücksäcke.

„Wir haben zurzeit einen sehr großen Bedarf. In diesem Jahr haben wir bereits mehr als 1300 Kinder ausgestattet, darunter viele schulpflichtige Flüchtlingskinder“, erklärt Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Bornefeld und bittet um Unterstützung.

Die Rücksäcke und Tormister können im Lukaszentrum des Evangelischen Lukas-Pfarrbezirks, Am Laugrund 5, abgegeben werden, Montag bis Freitag von 8.30 bis 11.30 Uhr. Die Schulmaterialienkammer der Diakonie gibt kostenlos Schulmaterialien an Kinder aus Familien mit geringem Einkommen aus.

2016 04 26 SMK Ehrenamt Fahrt Berlin Gruppe 006 HP

In der Kuppel des Reichstagsgebäudes: Der Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnemann (r.) führte die Ehrenamtlichen und Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Bornefeld (4. v r.) persönlich durch das Gebäude. Foto: Büro Linnemann

Paderborn/Berlin (dph). Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann haben 21 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Paderborner Schulmaterialienkammer der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. eine dreitägige Fahrt nach Berlin unternommen.

Die Einladung war als Dank und Anerkennung für die jahrelange engagierte Tätigkeit der Ehrenamtlichen in der Schulmaterialienkammer gedacht. Carsten Linnemann kennt die Arbeit der Schulmaterialienkammer, hat sie bereits zweimal persönlich besucht und dabei aktiv mitgearbeitet.

Auf dem Programm der Berlinfahrt standen unter anderem Gespräche mit Carsten Linnemann sowie Besuche im Abgeordnetenhaus, im Reichstagsgebäude mit Plenarsaal und Kuppel, eine Stadtrundfahrt unter politischen Gesichtspunkten sowie Informationsgespräche bzw. Führungen im Bundesministerium der Finanzen, im Stasi-Museum und im Haus der Wannsee-Konferenz.

Die Ehrenamtlichen waren beeindruckt, vom Bundestagsabgeordneten persönlich durch das Reichstagsgebäude geführt zu werden und dabei vielen weiteren Politiker zu begegnen. „Es war ein rundum interessanter, unterhaltsamer, außergewöhnlicher und lohnender Besuch in der Hauptstadt“, freut sich Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Bornefeld, die die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Schulmaterialienkammer koordiniert. Der Besuch werde allen noch lange in Erinnerung bleiben und habe sie in ihrem Engagement bestärkt.


2016 04 21 Pflegefamilien Muehlenbein Merhawi HP Kl

Eine Familie: Manuela und Ulrich Mühlenbein mit Sohn Carlos und Merhawi. Foto: Neue Nachbarn/Flüter

Kreis Paderborn. Die meisten Flüchtlinge leben in großen Unterkünften, kennen kaum Deutsche und den Alltag bei uns. Bis sie in Deutschland wirklich heimisch werden, wird es lange dauern. Die Familie Mühlenbein ist ein Beispiel dafür, wie es ist, wenn Einheimische und neue Nachbarn wirklich eng zusammenleben.

Vor etwas mehr als zwei Monaten haben Manuela, Ulrich und Carlos Mühlenbein ihr neues Familienmitglied zum ersten Mal gesehen. Merhawi saß ihnen an einem Tisch im In Via-Hotel in Paderborn gegenüber. Alle waren nervös: Merhawi, der die lange Flucht von Eritrea durch die Wüste und übers Mittelmeer überstanden hatte, aber auch die Mühlenbeins, die sich in den Wochen zuvor auf diesen Tag vorbereitet hatten.

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Paderborn hatte zu dem Termin eingeladen. Der SkF vermittelt seit November 2015 minderjährige Flüchtlinge an Pflegeltern und sucht immer noch dringend nach weiteren Pflegefamilien für Jugendliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Manuela und Ulrich Mühlenbein und ihr Sohn Carlos aus Fürstenberg waren eine der ersten Familien, die einen minderjährigen Flüchtling aufgenommen haben.

„Hoffentlich passt die Chemie“, hatte sich Manuela vor der ersten Begegnung gefragt. Doch dann war alles viel leichter als erwartet. Schon nach dem ersten Treffen war klar, dass Merhawi zu den Mühlenbeins ziehen würde. „Er hat mein Herz im Sturm genommen“, sagt Manuela Mühlenbein.

Längst hat sich Merhawi eingelebt. Tagsüber besucht er die Internationale Klasse der Fürstenberger Hauptschule,. „Dort ist er einer besten Schüler“, sagt Manuela Mühlenbein. Auch Merhawis Deutsch wird immer besser.

Dennoch ist die Zukunft nicht vollkommen sicher. Damit Merhawi eine Ausbildung machen kann, braucht er unbedingt einen Schulabschluss. Ob er den schafft? Dabei ist der Junge handwerklich geschickt. Ulrich Mühlenbein nimmt ihn gerne mit, wenn er in der Freizeit etwas baut oder Freunden hilft.

Den Kontakt zu seiner Mutter in Eritrea hält Merhawi per Handy. Doch die Gespräche sind kurz, jede Minute kostet zwei Euro. Auch seine Pflegeeltern in Fürstenberg nennt Merhawi „Mama“ und „Papa“. Dennoch sucht er den Kontakt zur alten Heimat. In der Flüchtlingsunterkunft in Bad Wünnenberg leben Eri­treer, mit denen er Freundschaft geschlossen hat. Über seine eigene Flucht spricht der Junge nur selten. Einmal hat er Manuela Mühlenbein ein Video von der Fahrt auf einem überladenen Lkw durch die Wüste gezeigt.

Die erste Auszeit voneinander hat die junge Pflegefamilie schon erlebt. Schon vor Monaten hatte die Mühlenbeins einen Skiurlaub in Österreich gebucht. Für die deutschen Behörden ist es jedoch ausgeschlossen, dass Merhawi deutsche Staatsgrenzen überschreitet. So blieb Merhawi bei einer befreundeten Familie. Den nächsten Urlaub, so viel ist sicher, wird die Familie Mühlenbein in Deutschland verbringen – mit Merhawi.

Infoabend für Interessierte
Der SkF-Dienst „Westfälische Pflegefamilien“ sucht weiter interessierte Familien, die offen sind für das Zusammenleben mit einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling. Der nächste Infoabend findet am Dienstag,  26. April, um 18 Uhr im Forum St. Liborius, Grube 3, Paderborn statt. Wir bitten um Anmeldung unter Tel.: 05251/12196-0 oder via E-Mail unter: wpf(at)skf-paderborn.de.

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2016 04 19 Fortbildung BM HP

Beim Workshop: (vorne v. links) Chrysa Eleftheriadi (Referentin) Gabriele Petermeier, Dr. Heinrich Niederfahrenhorst, Elisabeth Steinmetz, Ingrid Huneke, Wolfgang Rothfritz, Dagmar Wittmann, Helmut Steinmetz; (2. Reihe v. links) Jens Buschmeier (Referent), Daniel Markwart, Karsten Schier, Gerda Hellweg, Bernhard Rüther und Christian Berg. Foto: Bahnhofsmission

Paderborn. Eine Fortbildung zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“ für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmissionen Altenbeken und Paderborn fand im Haus der Evangelischen Kirche in Paderborn statt.

Die Referenten Chrysa Eleftheriadi und Jens Buschmeier von der AXION Akademie der Werte gGmbH vermittelten den Teilnehmenden Grundwissen zur Interkulturellen Kompetenz. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen die Gemeinsamkeiten hervorgehoben und Unterschiede akzeptiert und respektiert werden sollten.

In verschiedenen Rollenspielen konnten die Teilnehmenden ihre eigenen Wertigkeiten beleuchten und Erfahrungen im Bereich „Fremdsein“ machen. Abschließend bewerteten die ehrenamtlich Mitarbeitenden der Bahnhofsmissionen ihre Teilnahme als gewinnbringend, wünschten sich jedoch mehr Zeit für den Workshop.


2016 04 19 Viefalt Diskussion HP
Diskussion: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung tauschten sich über das Thema Vielfalt aus. Foto: Diakonie/Integrationsagentur

Paderborn. Eine Schulung für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema „Umgang mit Vielfalt – Freude am Ehrenamt“ hat die Diakonie Paderborn-Höxter e.V. im Haus der Evangelischen Kirche angeboten. Zehn engagierte Ehrenamtliche aus Paderborn nahmen daran teil.

Das aus dem Ruhrgebiet angereiste Referententeam der „AXION – Akademie der Werte“ schaffte es schnell, mit gut ausgewählten Methoden und einem theoretischen Einstieg die hoch motivierte Gruppe für das Thema „Vielfalt und Interkultur“ zu begeistern.

Viele der Teilnehmenden brachten Erfahrungen aus mehreren Ehrenämtern ein und tauschten sich angeregt über die unterschiedlichen Eindrücke und Haltungen aus, die sie erlebt haben. Bei allen war die Freude am Ehrenamt zu erkennen, die sie mit dieser Schulung bewahren und auch wieder auffrischen wollten.

Ein besonderer Höhepunkt war am Ende der Veranstaltung die Methode, bei der die Teilnehmenden Besuch von der Insel „Albatros“ bekamen. Durch das Erleben einer fremden Kultur und das anschließende Reflektieren in der Gruppe sorgte sie für sehr viele Aha-Erlebnisse.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Veranstaltung ein wichtiger Impuls war und Lust auf mehr machte. „Es war eine tolle Gruppe und der Austausch mit den verschiedenen Perspektiven auf Vielfalt sollte unbedingt intensiviert werden. Wir versuchen diesem Wunsch mit zukünftigen Veranstaltungen nachzukommen“ zieht Christina Vetter, Integrationsagentur der Diakonie, ein positives Fazit.


 

2016 04 11 Manal Rashdan kl
Nichts als Erinnerungen und Warten: Manal Rashdan. Foto: Neue Nachbarn

Paderborn. Anfang Dezember kam Manal Rashdan in der städtischen Unterbringungseinrichtung „Busdorfschule“ in Paderborn an. Seitdem ist die Zeit für sie stehen geblieben.

„Ich möchte wieder kochen, essen, fernsehen, putzen“, sagt Manal Rashdan. Doch das scheint im Moment unerreichbar zu sein. In der früheren Busdorfschule ist ein notdürftig abgetrenntes Rechteck von vielleicht neun Quadratmetern Fläche Lebensmittelpunkt ihrer vierköpfigen Familie – Teil eines ehemaligen Klassenraums. Nebenan hört man Menschen husten, Kinder spielen, Ehepaare miteinander sprechen. 20 Menschen leben so auf engstem Raum.

Wenn Manal Rashdan oder ihre Töchter Sanah (20), Roula (17) oder Malah (10) zur Toilette gehen, müssen sie das Gebäude verlassen, um durch Dunkelheit und Kälte zu den ehemaligen Schultoiletten im Pausenhof zu gelangen. Die Duschen befinden sich in einem Container jenseits des Schulhofs. Ihr Töchter seien auch deshalb ständig krank, sagt Manal.

Manal Rashdan und ihre Töchter sind im April 2015 über die Türkei, Griechenland und den Balkan geflohen. Vor einem halben Jahr kamen sie in Deutschland an, vor fünf Monaten in Paderborn. Seitdem warten sie auf einen Anhörungstermin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Vergeblich – wie die meisten der etwa 300 Flüchtlinge in der Busdorfschule. Nur wenige haben bislang auch nur einen Termin für die Anhörung erhalten, die am Anfang des Asylverfahrens steht.

Manal Rashdan will in Deutschland bleiben. In Syrien lebt nur noch ihr 23-jähriger Sohn. „Ich wünschte, er könnte zu uns kommen“, sagt sie. „Es fehlt der Mann in der Familie, seitdem mein Ehemann tot ist.“ Das ist das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Familie, über das Manal Rashdan nicht viel erzählt.

Claudia Bremshey ist eine der ehrenamtlichen Helfer, die oft in der Busdorfschule vor Ort sind. Als sie eines Tages mit Manal Rashdan in einem Pkw zu einem Termin fahren wollte, dauerte es eine Dreiviertelstunde, bis die Syrerin in den Wagen steigen konnte. Der Mann von Manal Rashdan ist vor vier Jahren während des Krieges in einem Pkw getötet worden. Sie war Zeugin. Seitdem wird jede Autofahrt zu einem Kraftakt, noch mehr als alles andere im Alltag von Manal Rashdan.

Es sind diese Erinnerungen und das Warten, die Manal Rashdan zermürben. Monatelang hat sie nicht ferngesehen, auch jetzt meidet sie den großen Fernsehraum in einem der Pavillons. Sie versteckt sich vor der Welt, innerhalb des neun Meter großen Rechtecks in dem ehemaligen Klassenraum – das ist alles, was ihr geblieben ist.


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2016 04 01 Sozialkirchentag Ank kl
Laden ein zum Sozialkirchentag: Susanne Bornefeld, Sozialbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, und Konrad Nagel-Strotmann, Bezirksvorsitzender KAB Paderborn-Höxter. Foto: EKP/Oliver Claes

Paderborn (ekp). Das Thema Gerechtigkeit steht im Mittelpunkt des ersten Ökumenischen Sozialkirchentags in der Region. Unter dem Motto „Sonne der Gerechtigkeit“ findet er am 1. und 2. Juli 2016 in Paderborn statt. Anmeldungen sind bis zum 2. Mai 2016 möglich; online unter www.sozialkirchentag.de und per Post an KAB Diözesanverband, Am Busdorf 7, 33098 Paderborn.

„Viele arbeiten in den Kirchen schon daran mit, dass die Fragen einer nachhaltigen Gerechtigkeit zum Kern der christlichen Identität gehören“, sagt Konrad Nagel-Strotmann, Bezirksvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung Paderborn-Höxter, der den Sozialkirchentag initiiert hat. Die Fragen der Gerechtigkeit könnten nicht an Profis aus Sozialarbeit oder Politik abgegeben, sondern müssten breit in der Gesellschaft verankert werden, betont Nagel-Strotmann. Ein wesentliches Ziel des Sozialkirchentags sei es, so Susanne Bornefeld, Sozialbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, die Aktiven aus kirchlichen, gewerkschaftlichen und freien Initiativen zu vernetzen, Anregungen und Impulse zu geben sowie die Eigenwahrnehmung der Aktiven als politische, ernst zu nehmende Größe zu stärken: „Wir möchten eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gerechtigkeit“, sagt Bornefeld.

Hauptträgerin des Sozialkirchentags ist die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB), Diözesanverband Paderborn. An der Vorbereitung beteiligt sind evangelische und katholische Organisationen sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund. Präses Annette Kurschus, Evangelische Kirche von Westfalen, und Erzbischof Hans-Josef-Becker, Erzbistum Paderborn, haben die Schirmherrschaft übernommen.

Auftakt zum Sozialkirchentag ist am Freitag, 1. Juli, von 18 bis 21 Uhr mit einem öffentlichen Bühnenprogramm in der Paderborner Innenstadt. Dabei wird die Frage der sozialen Gerechtigkeit unter anderem von Präses Annette Kurschus, Evangelische Kirche von Westfalen, Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn, Bürgermeister Michael Dreier, Stadt Paderborn, und praxiserfahrenen Fachleuten diskutiert. Moderatorin ist Silvia Homann, Radio Hochstift. Musik und ein Poetry-Slam zum Motto des Sozialkirchentags sowie Essen und Trinken runden das Programm ab. Eine Teilnahme ist hier ohne Anmeldung möglich.

Am Samstag, 2. Juli, ab 9 Uhr, geht der Sozialkirchentag mit einem Studientag im Bildungshaus Liborianum in Paderborn, weiter. Zur Auswahl stehen drei Foren, die durch biografische Impulse eröffnet werden: „Aktuelle Herausforderungen in der Arbeitswelt“, „Soziale Gestaltung des Lebens“ und „Weltweite Zusammenhänge“. (Das gewünschte Forum in der Anmeldung bitte angeben). Übergreifende Impulsstatements unterbrechen den im Vordergrund stehenden Dialog in den Foren. Diese kommen unter anderem von Dr. Ottmar John, Referent für Pastorales, Deutsche Bischofskonferenz und von Albert Koolen, Arbeiterpriester aus Krefeld. Außerdem gibt es Kurzliturgien, Infowände sowie Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten. Der Tagungsbeitrag beträgt 25 Euro.

Der Sozialkirchentag klingt um 18.30 Uhr mit einem öffentlichen Bühnenprogramm mit Musik und Texten sowie Essen und Trinken in der Paderborner Innenstadt aus (Teilnahme ohne Anmeldung möglich), Abschluss ist um 19.30 Uhr mit einem „politischen Nachtgebet“.

Die Foren des Studientags am 2. Juli

„Aktuelle Herausforderungen in der Arbeitswelt“
Moderation: Dr. Hans Hobelsberger, KatHo Paderborn
Impuls: Norbert Faltin, Betriebsrat Amazon

„Soziale Gestaltung des Lebens“

Moderation: Walter Wolf, Bildungshaus Rahrbach
Impuls: Susanne Bornefeld, Sozialbeauftragte Evangelischer Kirchenkreis Paderborn

„Weltweite Zusammenhänge“
Moderation: Karin Kortmann, Zentralkomitee der deutschen Katholiken
Impuls: Pfarrerin Annette Muhr-Nelson, Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe), Evangelische Kirche von Westfalen.

Internet: www.sozialkirchentag.de
Information: KAB-Diözesanbüro, Tel. (05251) 2888-590

 

2016 04 05 Nachbarn Grünebaumstraße kl
Neue Nachbarn: (von links) Ayman Ghanem mit zwei Söhnen, Alfred Messiha (sitzend), Helmut Küth sowie Annette Möckel und Anne Ahlemeyer, Mitarbeiterinnen des Caritaszentrums, die die syrische Familie im Alltag unterstützen. Foto: Neue Nachbarn/Flüter

Paderborn. Eine Familie aus Syrien zieht in die Nachbarschaft von Seniorenwohnungen. Kann das gutgehen? Die Antwort lautet „Ja“,weil die Flüchtlinge das Glück haben, besondere Nachbarn vorzufinden.

Alfred Messiha ist vor 53 Jahren als Student aus Ägypten nach Paderborn gekommen, um Maschinenbau zu studieren. Er blieb, wurde Physiotherapeut, baute ein Haus, machte Deutschland zu seiner Heimat. Im letzten Jahr ist er, mittlerweile 73, in eine der seniorenfreundlichen Wohnungen im Paderborner Caritaszentrum an der Grünebaumstraße gezogen. „Die Deutschen waren immer freundlich zu mir“, sagt er.

An der Grünebaumstraße wurde Helmut Küth (86) sein Freund und Nachbar. Auch Küth ist als Manager in der Textilwirtschaft in der Welt herumgekommen. Als Kind hat er erlebt, wie Brandbomben auf Bielefeld fielen und Bethel brannte. Wenn er im Fernsehen sieht, wie in syrischen Städten Fassbomben auf Wohnviertel geworfen werden, „kommt das alles wieder hoch“, sagt er.

Deshalb ist es für ihn selbstverständlich, Flüchtlingen zu helfen – Menschen wie Ayman Ghanem, der seit Dezember 2015 ein neuer Nachbar ist. Ayman Ghanem ist auf den Rollstuhl angewiesen, er kann nur mit Schwierigkeiten die Arme bewegen. Im Auto, mit seiner Frau Ibtisam und den vier Kindern, ist Ayman Ghanem in die Türkei geflohen. Von dort hat die Familie mit einem Schlauchboot nach Griechenland übergesetzt.

„27 Menschen in einem neun Meter langen Boot“, erzählt Alfred Messiha, der aus dem Arabischen übersetzen kann. Ayman Ghanem hat mit dem Handy ein Video während der Überfahrt gedreht. Das Video zeigt die fernen Berge der griechischen Inseln, verängstigte Kindergesichter, seine Frau, die in stiller Panik auf das Meer schaut.

Wie es die Familie mit vier Kindern und einem Mann im Rollstuhl geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Ibtisam Ghanem leidet unter starken Rückenproblemen, wahrscheinlich weil sie auf der Flucht ihren Ehemann alleine umlagern, im Rollstuhl über Feldwege zerren und Abhänge hochschieben musste – immer Ahmad, das jüngste Kind auf dem Arm und die anderen drei Kinder im Auge.

Im Caritaszentrum hat die Familie einen sicheren Ort gefunden. Die Nachbarn wie Helmut Küth und Alfred Messiha sind wie selbstverständlich für ihre neuen Nachbarn da sind und helfen. Helmut Küth und Alfred Messiha fahren die Familie zu Ärzten, zum Sozialamt, besorgen Möbel oder andere Dinge, spielen mit den Kindern.

Sie kommen auch so zu Besuch. Alfred Messiha, der Physiotherapeut, massiert die beiden. Manchmal spielen die Männer Backgammon. Alfred Messiha ist der Familie nahe, nicht nur weil er ihre Sprache spricht. „Die schaffen das. Die Familie muss sich einleben, die Sprache lernen, dann geht das“, sagt Alfred Messiha. „Warum auch nicht? Ich habe es doch auch geschafft.“

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2016 03 04 SMK Beate Dreier Gruppe kl

In der Schulmaterialienkammer: (v. l.) Udo Pampel (Diakonie), Dagmar Schmidt (ehrenamtliche Mitarbeiterin), Schirmherrin Beate Dreier, Susanne Bornefeld (Diakonie), Wilma Schneider (ehrenamtliche Mitarbeiterin) und Ingbert Koppermann (Diakonie). Foto: DPH/Oliver Claes

Paderborn (dph). Die Schulmaterialienkammer der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. bekommt prominente Unterstützung. Beate Dreier, Ehefrau von Bürgermeister Michael Dreier, hat die Schirmherrschaft für die Einrichtung übernommen, die kostenlos Schulmaterialien an Kinder aus Familien mit geringem Einkommen ausgibt.

Bei einem Besuch in der Schulmaterialienkammer im Lukaszentrum am Laugrund informierte sich Beate Dreier über die dort geleistete Arbeit. Mit dabei hatte sie auch eine Spende in Form von Turnbeuteln und die Zusage, sich zukünftig ehrenamtlich in der Schulmaterialienkammer zu engagieren. Diakonie-Vorstand Ingbert Koppermann bedankte sich bei Beate Dreier für die Bereitschaft, sich als Schirmherrin für die Schulmaterialienkammer zu engagieren. „Wir wollen mit der Ausgabe der Materialien den Kindern annähernd gleiche Bildungschancen bieten“, erklärte er. Die Schulmaterialienkammer sei bei ihrer Gründung 2005 bundesweit die erste Einrichtung ihrer Art gewesen.

Sie habe gerne die Schirmherrschaft übernommen, sagte Beate Dreier: „Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit.“ Dreier und Koppermann betonten, dass es notwendig sei, auch die schulpflichtigen Kinder aus Flüchtlingsfamilien mit Materialien für die Schule auszustatten.

Beeindruckt zeigte sich Beate Dreier vom Engagement der aktuell 35 ehrenamtlich Mitarbeitenden. Rund 3000 Stunden würden diese jährlich leisten, berichtete Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Bornefeld und betonte: „Ohne die Ehrenamtlichen könnten wir diese Arbeit nicht leisten.“

Dagmar Schmidt, die seit sechs Jahren ehrenamtlich mitarbeitet, erklärte die Abläufe in der Schulmaterialienkammer vom Prüfen der Einkommensnachweise bis zum Erfassen der ausgegeben Materialien im Computer. Sie begründete auch, warum um eine kleine Spende gebeten werde: „Für Kinder hat ein Tornister eine andere Wertigkeit, wenn die Eltern etwas dafür gegeben haben.“ Das Strahlen der Kinder sei sicher ein schöner Lohn für die Ehrenamtlichen, so Schirmherrin Beate Dreier.



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