Bildungs-Chipkarte für Kinder umstritten: Diskriminierung vermeiden

Andrang auf Schulmaterialienkammer der Diakonie

Paderborn (dph). Der Andrang war - wie schon in den vergangenen Jahren - sehr groß am ersten Öffnungstag der Schulmaterialienkammer der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. im Lukas-Gemeindezentrum. 25 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben hier zum Beginn des neuen Schuljahres eine Woche lang kostenlose Schulmaterialien an Kinder aus einkommensschwachen Familien aus.
 
"Im letzten Jahr haben wir in dieser einen Woche 780 bedürftige Schüler ausgestattet. In diesem Jahr rechne ich mit einem weiteren Anstieg. Am ersten Tag waren es bereits 253 Schüler", berichtet Susanne Bornfeld, Initiatorin der Schulmaterialienkammer. Deutlich zurückgegangen sei allerdings das Spendenaufkommen, "Wir haben 50 Prozent weniger Spenden", sagte Bornefeld und bittet um Spenden, um auch in den kommenden Monaten Materialien einkaufen zu können.
 
Unterstützt wurden die Ehrenamtlichen am ersten Tag vom Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann (CDU), der Landtagsabgeordneten Sigrid Beer (Bündnis 90/Die Grünen) und Emin Özel von der moslemischen Fatih-Gemeinde-Paderborn. Sie halfen bei der Ausgabe der Stifte, Hefte und Tornister und sprachen mit Betroffenen und Ehrenamtlichen. Ein heiß diskutiertes Thema war dabei die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vorgeschlagene Einführung einer Bildungs-Chipkarte für Kinder. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach Kinder von Hartz-IV Empfängern Anspruch auf mehr Bildungsangebote haben.
 
Während Einigkeit darüber herrschte, dass Bildung ein Schlüssel ist, um aus der Armut herauszukommen und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in die Gesellschaft zu integrieren, gingen die Meinungen über die Bildungs-Chipkarte auseinander. Für Susanne Bornefeld ist es positiv, dass das Thema Bildung nun auch bei der Bundesregierung angekommen sei. Einige Betroffene lehnten die Karte als diskriminierend ab. Sie befürchten, dass ihre Kinder als "Hartzis" abgestempelt würden. Andere fanden es gut, dass dann alle Kinder etwas bekommen würden. Auch Carsten Linnemann befürwortete die Bildungs-Chipkarte: "Die Investitionen in Sachleistungen bringen mehr als eine Erhöhung des Kindergeldes." Allerdings dürfe es keine Diskriminierung durch die Karte geben. Skeptisch äußerte sich Sigrid Beer. Für sie ist der damit verbundene bürokratische Aufwand zu groß. "Es sollte besser direkt in die Infrastruktur und Angebote der Kindertageseinrichtungen und Schulen investiert werden", so Beer.
Spendenkonto:
Diakonie Paderborn-Höxter e.V.
Stichwort "Schulmaterialienkammer"
Konto-Nr.: 883 4133 500
Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold
BLZ 47260121

 


Andrang auf Schulmaterialienkammer
Unterstützung für Schüler: Carsten Linnemann (v. l.), Yussuf Benhamed (9), Emin Özel, Sigrid Beer, Susanne Bornefeld, Mohammed Benhamed und Aishe Benhamed (6) in der Schulmaterialienkammer der Diakonie.
FOTO: DPH/OLIVER CLAES


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