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Chancen und Gefahren der Tafeln
"Tafeln" bieten mehr als Nahrung, sie sind Bildungs- und Begegnungsstätte
Von Melanie Jaßmeier, Warburg zum Sonntag
Warburg. Engagierte Bürger, die sich in verschiedenen Organisationen für die hilfsbedürftigen Menschen in der Region einsetzen, trafen sich am vergangenen Dienstag im Corvinushaus auf Einladung der Diakonie, um hier über die Chancen und Gefahren der Tafeln, Tische und Suppenküchen zu diskutieren, aber auch über die Notwendigkeit, mit diesen Begegnungsstätten den Betroffenen die Möglichkeit zu bieten, aus der Verschwiegenheit heraus zu kommen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Tafeln konzentrieren sich auf ihre Grundidee, überschüssige Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen.

Die Teilnehmer punkteten am meisten die Behauptung, dass "Tafeln" zunehmend überflüssig werden müssen. Weiter gab man zu bedenken, dass Tafeln Begegnung und Solidarität schaffen und vielen Menschen das Gefühl geben, gebraucht zu werden und nützlich zu sein. Foto: Melanie Jaßmeier
Bundesweit unterstützen bereits 850 „Tafeln“ bedürftige Bürger. „In NRW werden 1 Millionen Menschen über 150 „Tafeln“ versorgt“ stellt Diakonie-Pfarrer und Theologischer Vorstand der Diakonie Mark-Ruhr, Martin Wehn, skandalöse Fakten vor. Die Armut in Deutschland und NRW wächst weiter, denn mit einer schwachen Ökonomie, steigt die Armutsskala nach oben. „Deshalb ist es wichtig dazwischen zu gehen und die Betroffenen zu stärken“, so Pfarrer Wehn, der die Tafeln als Skandal und als Fehlentwicklung unserer Zeit bewertet. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege bezeichnet die wachsende Armut und Ungleichheit ebenso verwerflich, wie die staatlichen Versuche, Rechtsansprüche mit dem Verweis auf „Tafeln“ nicht zu gewähren bzw. abzubauen.
Umso mehr hebt der Diakoniepfarrer die Arbeit der ehrenamtlichen Mitstreiter gegen die Armut hervor, die mit dem "Tafel-Angebot" Begegnung und Bildungsangebote schaffen, sowie Solidarität bekunden. Die Tafelarbeit spiegelt nicht nur den Wunsch nach Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, sondern bietet ein niederschwelliges Beratungsangebot, dass sich mit dem bestehenden Hilfesystem vernetzen kann.
Die zukünftige Sozialpolitik wird sich mehr dem Arbeits- und Bildungsmarkt widmen und somit die Selbstverantwortung der Bürger unterstützen. „Viele Menschen sind jedoch nicht mehr fähig sich selbst zu organisieren, da nutzt es wenig die Schraube weiter anzuziehen.“ gibt Martin Wehn zu bedenken. Die Diakonie, wie auch andere Organisationen sind hier als Anwaltschaft gefragt, um die Betroffenen zu stärken, Lernprozesse zu initiieren und nicht für, sondern mit den Betroffenen an die Öffentlichkeit zu gehen.
Um kirchlich, wie auch weltlich orientierte Menschen an einen Tisch zu bringen, sei es wichtig, zusammen mit anderen Verbänden und Vereinen Ideen auf den Tisch zu bringen, um so den Mini-Globus vor Ort zu erobern. Die Vernetzung der Tafeln mit dem bereits bestehenden Hilfesystem ist unverzichtbar. Tafeln als Orte der Begegnung mit Gleichbetroffenen können zunächst zu einer psychischen Entlastung führen. Darüber hinaus wird den Menschen die Chance geboten, die Selbsthilfe und Selbstorganisation mit erster Unterstützung zu nutzen.
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