"Gut, wenn wir Kirche neu träumen"

NEUJAHRSEMPFANG Wachsen gegen den Trend: missionarisch Kirche sein

PADERBORN – "Auf vielfältige Weise, in Wort und Tat versuchen wir an andere Menschen weiterzugeben, woran wir selbst glauben und wovon wir leben. (…) Missionarische Tätigkeit ist, so verstanden, ein Angebot, keine Vereinnahmung", sagte Superintendentin Anke Schröder zu Beginn des Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn am 20. Januar. 120 Gäste aus den Bereichen Ökumene und Politik, Bildung, Soziales und Wirtschaft sowie Ehrenamtliche und Hauptamtliche aus Kirchenkreis und Diakonie begrüßte die leitende Theologin des Kirchenkreises im Paderborner Paul-Gerhardt-Haus.
 
Superintendentin Anke Schröder, Pfarrerin Birgit Winterhoff
Superintendentin Anke Schröder (rechts) begrüßt Pfarrerin Birgit Winterhoff, Leiterin des Amtes für missionarische Dienste der EKvW. Sie hielt im Paul-Gerhardt-Haus (Paderborn) die Neujahrsansprache zum Thema "Wachsen gegen den Trend – Wie können wir als Kirche missionarisch sein?"
 
Birgit Winterhoff
Sehen dem 2. Ökumenischen Kirchentag freudig entgegen: Superintendentin Anke Schröder und Hans-Georg Hunstig, Präsidiumsmitglied des 2. Ökumenischen Kirchentages.
Die Superintendentin stellte die Frage, wie wir die vielfältige Arbeit der Kirche in Zukunft weiterführen können. Neben der Frage nach der Finanzierbarkeit stelle sich die Frage: "Werden wir in Zukunft noch genügend Glaube, Hoffnung und Liebe haben, die wir an andere weitergeben können?", so Anke Schröder angesichts der zukunftsweisenden Aufgabe, den "Abbau der sichtbaren Kirche" mit dem "Aufbau der unsichtbaren Kirche" zusammen zu bringen. "Wie können wir gleichzeitig kleiner werden und im Glauben wachsen, wachsen gegen den Trend", leitete die Superintendentin zur Neujahrsansprache von Pfarrerin Birgit Winterhoff (Bielefeld) über. Die Leiterin des missionarischen Amtes der Evangelischen Kirche von Westfalen sprach zum Thema "Wachsen gegen den Trend - Wie können wir als Kirche missionarisch sein?"
 
Nach heute erkennbaren Trends werde die evangelische Kirche in Deutschland in den nächsten 20 Jahren die Hälfte ihrer Einnahmen und ein Drittel ihrer Mitglieder verlieren, so Birgit Winterhoff. Grund sei die demografische Entwicklung mit einer Abnahme der Kirchensteuerzahler durch Bevölkerungsrückgang und einer Zunahme der Überalterung. Außerdem nehme die "religiöse Konkurrenz" und die "Individualisierung religiöser Sehnsüchte" zu, stellte Winterhoff fest.
 
Birgit Winterhoff
Superintendentin Anke Schröder (rechts) begrüßt Pfarrerin Birgit Winterhoff, Leiterin des Amtes für missionarische Dienste der EKvW. Sie hielt im Paul-Gerhardt-Haus (Paderborn) die Neujahrsansprache zum Thema "Wachsen gegen den Trend – Wie können wir als Kirche missionarisch sein?"
"Wir werden uns auf urchristliche Verhältnisse einstellen müssen", prognostizierte die Theologin und verwies hoffnungsvoll auf die "missionarische Kraft und Leidenschaft" der Urchristinnen und Urchristen. "Eine Kirche, die nicht mehr wachsen will, ist krank. Alles Lebendige will wachsen", warb sie für ein Wachsen gegen den Trend. "Es werden immer mehr, die vom Glauben an Christus weit weg sind – und sich doch nach einer Begegnung mit dem Heiligen sehnen", machte sie die Aufgabe der Kirche deutlich. Mehr Menschen mit Ideen und Visionen würden gebraucht und Rahmenbedingungen, die Wachstum ermöglichen.
 
Es sei gut, "wenn wir Kirche neu träumen", so Winterhoff und gab zahlreiche Tipps für die Praxis: Prioritäten setzen, an einem Gemeindeprofil arbeiten, das Menschen beheimatet, Sonntagsgottesdienste um 18 Uhr neben denen am Sonntagvormittag, Kirchenführungen mit kirchenpädagogisch-missionarischer Ausrichtung, Glaubenskurse, Bibellektüre und Gebet als stärkende Elemente zu Beginn aller Zusammenkünfte, Ehrenamtliche verstärkt gewinnen – insbesondere aus dem Kreis der Rentner, attraktive Großveranstaltungen, Gottes Lebensdienlichkeit deutlich machen, Gottes Menschenfreundlichkeit sinnlich vermitteln, über den Glauben reden. "Biblische Hoffnungsbilder" und Zusagen wie "Ihr seid das Salz der Erde", "Ihr seid das Licht der Welt" und "Ihr seid Gottes Mitarbeiter" seien dabei stärkend.
 
Pfarrerin Karin Röthemeyer, Pfarrerin Birgit Winterhoff
Im Gespräch: Birgit Winterhoff (rechts) und Pfarrerin Karin Röthemeyer (Lichtenau).
 
"Wir sind trotz vieler Veränderungen immer noch eine sehr reiche Kirche", stellte Winterhoff fest: Kirchliche Kindertageseinrichtungen und Familienzentren, Konfirmanden, die vielen Ehrenamtlichen, Kasualien (Taufen, Trauungen, Beerdigungen), einladende Gottesdienste, Besuche, Diakonie, verlässlich geöffnete Kirchen und Wiedereintrittsstellen nannte sie als Beispiele, die den Zugang zu ganz verschiedenen Menschen und Zielgruppen möglich machen.
 
"Gott hat noch einiges mit uns vor! Er kommt uns entgegen! Und darum geht dann auch fröhlich an die Arbeit", endete Birgit Winterhoff aufmunternd und hoffnungsfroh.
 


Neujahrsempfang KSV
Mitglieder des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises Paderborn beim Neujahrsempfang: (v.l.) Dagmar Kleinemeier, Jürgen Engelmann, Erika Kretschmer und Synodalassessorin Ute Wendorff.
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