|
Bittbrief vom Mittagstisch
In einem Schreiben bitten Ehrenamtliche den Rat um finanzielle Unterstützung
VON SANDRA WAMERS
Warburg. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Mittagstischs
der Diakonie Warburg haben dem Rat der Stadt Warburg einen offenen
Brief geschickt. Die Ehrenamtlichen bitten um Unterstützung, damit die
sozialpädagogische Begleitung für den Mittagstisch bestehen bleibt. Eine solche hauptamtlich-professionelle Begleitung kostet viel Geld - rund 8.000 Euro im Jahr.
Seit fünf Jahren wird mittwochs im Corvinushaus für Bedürftige
aufgetischt. Aber es soll nicht nur der Magen gefüllt werden. Neben den
barmherzigen Taten streben die Mitarbeiter auch nach sozialer
Gerechtigkeit - für alle Menschen. Die setzt Mündigkeit und Teilhabe
voraus. Dafür kommt Sozialarbeiter Sebastian Roesler seit zwei Jahren
immer mittwochs für acht Stunden ins Corvinushaus. Sebastian Roesler
kocht nicht. Er kommuniziert: Vom lockeren Tischgespräch bis zum Termin
für eine professionelle Beratung. Der 25-Jährige holt die Menschen dort
ab, wo sie gerade im Leben stehen. Es ist ein "niedrigschwelliges
Betreuungsangebot", wie es im Fachjargon heißt. Zwischen 20 und 30
Kurzberatungen absolviert Roesler während des Mittagsmahls.
"Beraten, Ressourcen mobilisieren und Begleiten", nennt der
Sozialarbeiter seinen Drei-Punkte-Plan. Er berät Menschen aus
Risikogruppen. Schulden, Sucht, psychische Erkrankungen oder schwierige
Familienbeziehungen - die Problemlagen sind vielfältig. "Wir
Ehrenamtlichen packen das nicht. Wir haben weder die Ausbildung, noch
die Zeit für Beratungsgespräche", sagt Jochen Beumelburg,
ehrenamtlicher Koch beim Mittagstisch.
Beumelburg steht mit seiner Meinung nicht allein. Rund 30 Ehrenamtliche
haben den offenen Brief an die Ratsleute unterschrieben. "Wir brauchen
die enge Vernetzung von Haupt-und Ehrenamt. Dadurch wurde in den
vergangenen zwei Jahren das Konzept zum Mittagstisch erst wirklich rund", betont Dietlind Tegethoff. Über 650 Berechtigungsscheine für den Mittagstisch
wurden in den fünf Jahren ausgestellt. Rund 80 Gäste kommen immer
mittwochs zu Tisch. "Da können wir nicht alle im Blick haben. Es fehlt
die Zeit", betont auch Brigitte Nusime.
Die Ehren- und Hauptamtlichen wollen die Zusammenarbeit erhalten: Durch
Kochen und Kommunikation die Hilfe zur Selbsthilfe fördern. "Die
Lebensmittel nur auszugeben würde die Menschen noch mehr ausgrenzen.
Dadurch würden sie zu Almosenempfängern degradiert", erklärt Dietlind
Tegethoff. Für ihr Engagement wünschen sich die Ehrenamtlichen
politische Unterstützung und auch Geld, um die Stelle des
Sozialarbeiters weiter finanzieren zu können. Bis dato wird die
sozialpädagogische Beratung noch aus Rücklagen finanziert. Aber die
werden im Sommer aufgebraucht sein.
|