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Fachtagung zur Gewaltprävention bei Jugendlichen
Gewalt nicht ignorieren, sondern Grenzen setzen
Paderborn. Gewaltvideos auf Handys von Kindern oder Amokläufe von Schülern – das Thema Jugend und Gewalt ist aktuell, und das Ausmaß der Gewaltbereitschaft erschreckt die Öffentlichkeit bei jedem neuen Fall. Groß war daher auch das Interesse an der Fachtagung zur Gewaltprävention „Wenn Worte fehlen und Fäuste zählen“, zu der die Diakonie Paderborn-Höxter e.V. eingeladen hatte. Rund 40 Fachkräfte aus der Jugend- und Sozialarbeit, von Jugendämtern und Polizei waren in den evangelischen Gemeindetreff Regenbogen im Stadtteil Kaukenberg gekommen, um sich über Möglichkeiten zu informieren, wie Jugendgewalt vorgebeugt werden kann. Die Diakonie stellte verschiedene Methoden und Aktionen ihrer praktischen Arbeit mit den Jugendlichen sowie deren Auswertung vor.
Präsentiert wurde den Teilnehmern das gewaltpräventive Projekt „respect me“ der Diakonie, das seit September 2007 läuft und auf drei Jahre angelegt ist. Teil des Projektes war eine Befragung von Jugendlichen in den Stadtteilen Kaukenberg, Lieth und Goldgrund zu ihrem Gewaltverständnis und ihren Gewalterfahrungen. Dreiviertel der Befragten fänden, dass es viel Gewalt in den Stadtteilen gebe, und fast 60 Prozent hätten schon einmal einen Konflikt mit Gewalt ausgetragen, berichtete Diplom-Sozialpädagoge und Jugendmediator Sebastian Roesler von der Diakonie. Wie individuell das Verständnis von Gewalt ist, wurde durch die Gegenüberstellung zweier Zitate von Jugendlichen im Rahmen der aktivierenden Befragung deutlich: „Gewalt ist es nur, wenn man Kinder vergewaltigt, nicht Frauen!“ und „Wenn man mich gegen meinen Willen zu was zwingt, ist das Gewalt.“
„Respect me“ richtet sich in erster Linie an Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte und ist eingebunden in die Anlaufstelle „Unter dem Regenbogen“ im Rahmen der Mobilen Jugendsozialarbeit für die drei Stadtteile. Fast die Hälfte der Bewohner in den drei Stadtteilen bringt Zuwanderungsgeschichte mit. Die Arbeit basiert auf der Freiwilligkeit der Teilnehmenden. Wesentliche Ziele sind, die Jugendlichen zur Mitwirkung zu motivieren, ihre Wahrnehmung zu schulen und Grenzen aufzuzeigen. „Wir merken, dass die Jugendlichen nach- und umdenken und sich mit dem Thema Gewalt beschäftigen. Außerdem gelingt es ihnen zunehmend, sich andere Meinungen anzuhören und diese zu akzeptieren“, zog Diplom-Pädagogin Christina Vetter, Mitarbeiterin im Projekt „respect me“ und in der Mobilen Jugendsozialarbeit, eine erste Bilanz. Im nächsten Jahr sollen die Themen Diskriminierung und sexualisierte Gewalt ein Schwerpunkt der Arbeit werden, denn die Jugendlichen würden, so Christina Vetter, immer wieder Diskriminierung erfahren, andererseits aber auch selbst Vorurteile reproduzieren.
Zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen des Projekts ist Diakonie-Geschäftsführerin Jutta Vormberg: „Wir haben gelernt, dass offene, freiwillige Konzepte für Jugendliche wichtig sind.“ Außerdem sei die Erfahrung gemacht worden, dass es darauf ankomme, die Jugendlichen einerseits zu schützen, sie andererseits aber auch zu konfrontieren. Über die große Resonanz auf die Fachtagung freute sich Vormberg: „Es läuft sehr viel in diesem Bereich, aber auch Möglichkeiten zum Austausch wie diese Tagung sind notwendig.“
Dass es entscheidend ist, in der Arbeit mit Jugendlichen Regeln und Grenzen zu setzen, stellte die Diplom-Sozialpädagogin Heike Okroy (Dortmund) in ihrem Vortrag zur „Konfrontativen Gesprächsführung“ heraus. „Verhalten, das man ignoriert, ist Verhalten, das man erlaubt“, sagte die Anti-Aggressionstrainerin, die als Fachkraft für Gewaltprävention in Selm (Kreis Unna) tätig ist. Jugendliche suchten Konfrontation und Reibung, das gehöre zu ihrer Entwicklung. Eine „konstruktive Streitkultur“ zeige den Jugendlichen, dass die Erwachsenen Interesse an ihnen hätten und stelle Nähe her, so Okroy.
Begleitet wurde die Veranstaltung vom Poetry-Slammer Sulaiman Masomi (Paderborn), der in lyrischer Form Perspektiven von (Sprach)-Gewalt und Diskriminierung präsentierte.
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