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Aktionswoche Alkohol
Der schleichende Weg in die Sucht
Caritas und Diakonie informieren über Alkoholmissbrauch. Immer mehr Jugendliche trinken exessiv Brakel (Kro). 9,9 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr: Der Alkoholkonsum in Deutschland ist extrem, zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten, jedes Alter und betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen. Insbesondere ist bei den 12- bis 17-Jährigen eine Steigerung zu beobachten. Kampftrinken, Koma-Saufen oder Binge-Drinking geben hier den Trend an.
„Bier schmeckt besser, wenn ich nüchtern bin“: Kabarettist Erwin Grosche nahm humorvoll und tiefgründig zum Thema Stellung
Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Alkohol? Kenn dein Limit“ hatten die Caritas Höxter und die Diakonie Paderborn-Höxter am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung nach Brakel in den Sitzungssaal Alte Waage eingeladen, um die Öffentlichkeit für das Thema Alkohol und seine Folgen zu sensibilisieren. Die Schirmherrschaft hatte Landrat Hubertus Backhaus übernommen. „Der Weg in eine Sucht geschieht meist schleichend und wird von den Betroffenen häufig erst spät oder zu spät wahrgenommen“, hielt Hedwig Mellwig, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für den Kreis Höxter, fest. Zusammen mit Jutta Vormberg, Geschäftsführerin Diakonie Paderborn-Höxter, führte sie in die Thematik ein. Auslösende Faktoren seien unter anderem Stress, Überforderung, Angst und Unsicherheit. Die Droge Alkohol scheine zu Beginn über die bedrückende Situation hinweg zu helfen, ändere aber letztlich nichts. Mellwig: „Eigentlich ist hier schon Hilfe nötig, damit aus dem Missbrauch keine Suchterkrankung wird. Sucht ist eine Krankheit, deshalb benötigt ein Herausholen aus der Suchterkrankung sehr viel Zeit und Einfühlungsvermögen“. Für die Berater bedeute dies, den Menschen dort abzuholen, wo er zur Zeit stehe, mit ihm neu zu lernen Maß zu halten, Verantwortung zu übernehmen und ihn auf dem Weg ein Stück begleiten. Referent und Suchtexperte Rolf Hüllinghorst, der viele Jahre als Geschäftsführer in der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen gearbeitet hat, unterstütze Mellwigs Aspekte. „Die Beratungsstellen sind in meinen Augen das Rückgrat der Versorgung. Sie sollten erster Anlaufpunkt für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen sein“, meinte Hüllinghorst. Sie müssten den Faden in der Hand behalten und entscheiden können, was die nächsten Schritte sind. Die Zahlen hätten sich zwar verbessert, doch sei ein Alkoholkonsum immer noch zu hoch, konstatierte Hüllinghorst, der in seinem Vortrag weitere Zahlen und Fakten zum Alkoholverhalten von Erwachsenen und Jugendlichen nannte.
Besonderes Augenmerk müsse den Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren gelten. Gerade in dieser Altersgruppe habe der Alkoholmissbrauch in den letzten Jahren zugenommen. Eine Preiserhöhung, wie schon bei den Alkopops geschehen, sei eine Möglichkeit dem entgegenzuwirken. Hier habe der Konsum 2004 bis 2008 von 35 auf 17 Prozent gesenkt werden können.
Als weitere Maßnahmen führte Hüllinghorst unter anderem Werbebeschränkungen, Prävention und Aufklärung, bessere Alterskontrollen sowie Erziehung zu bewussten Umgang mit Alkohol und Hinweis auf die Gefahren an. Auch ging er auf Rahmenbedingungen und Leitlinien sowie unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten von Suchtkranken ein.
Bereichert wurde die Informationsveranstaltung von einem 20-minütigen Auftritt des Kabarettisten Erwin Grosche. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bier besser schmeckt wenn ich nüchtern bin“ - humorvoll, dennoch tiefgründig, vermittelte er den rund 90 Teilnehmern seine Sicht der Sucht und der damit häufig verbundenen Träume.
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