Zehn Jahre Verbraucherinsolvenzberatung

Kapazitäten fehlen: Mehr Überschuldeten könnte geholfen werden

Paderborn (dph). Insolvenz – bei diesem Wort fallen im Augenblick sofort die Namen großer Unternehmen. Aber auch Privatpersonen können seit zehn Jahren ihre Schuldenprobleme mit einem Insolvenzverfahren lösen. Die Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. zieht aus diesem Anlass Bilanz mit dem Beispiel einer anonymen Klientin.
 
Petra M. (34) ist alleinerziehend, geschieden und seit 2004 im Insolvenzverfahren. Mit den Schulden begann es kurz nach der Hochzeit vor zehn Jahren. Die Eheleute waren voller Tatendrang und wollten sich ihre Wohnung einrichten. Gespart hatten sie nichts, aber sie hatten beide Arbeit, und die Bank hatte ihnen einen großzügiges Darlehn eingeräumt. Sie lebten gut, das überzogene Girokonto war kein Problem. Das Darlehn wurde aufgestockt, und das Konto wieder auf Null gestellt. Dass sie inzwischen mehr als die Hälfte ihres Gehaltes als Verkäuferin für das Darlehn ausgeben musste, störte sie nicht besonders.
 
Dann kam 2002 das Kind, ihr Gehalt fiel weg, und die Sorgen fingen an. Die Bank ließ plötzlich Überweisungen zurückgehen. Das Gehalt ihres Mannes reichte vorne und hinten nicht mehr. Die Geldsorgen überforderten beide. Als er seine Arbeit verlor, wurde das Zusammenleben unerträglich. 2003 trennten sie sich. Inzwischen ging der Gerichtsvollzieher ein und aus. Ihr Konto und der Kredit wurden gekündigt. Das neue Konto, das sie sich bei einer anderen Bank erbettelt hatte, wurde durch eine Pfändung gesperrt. Miete und Strom waren nicht bezahlt. Die Schulden beliefen sich bereits auf 30.000 Euro. Als Alleinerziehende konnte Petra M. nur zusehen, wie die Zinsen stiegen.
 
Geschichten wie diese hören die Berater und Beraterinnen der Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland häufig, wenn Ratsuchende erzählen. 6.9 Millionen Menschen sind in Deutschland überschuldet und können ihren Rechnungen nicht mehr bezahlen. „Durch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise mit Kurzarbeit und Entlassungen wird sich die Situation weiter verschärfen“, ist Jürgen Eiting, Leiter der Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter, überzeugt.
 
Seit 1999 bietet das Verbraucherinsolvenzverfahren überschuldeten Personen die Chance eines wirtschaftlichen Neubeginns. Petra M. ist eine von mehr als 500.000 Menschen in Deutschland, die davon Gebrauch gemacht haben. Oft müssen Ratsuchende bis zu einem Jahr auf eine Beratung warten, weil die Kapazitäten unzureichend sind. Die Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter hat in den letzten zehn Jahren rund 1800 Klienten über die Möglichkeiten der Verbraucherinsolvenz informiert und gut 600 davon durch die verschiedenen Stadien des Verfahrens begleitet. Mit einer besseren personellen Ausstattung der Beratungsstellen wären es deutlich mehr Menschen, betont Jürgen Eiting.
 
Zu einer nachhaltigen Insolvenzberatung gehöre es zunächst, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu festigen und häufig bei der Sicherung von Strom- und Gaslieferungen sowie des Lebensunterhaltes zu helfen, sagt Eiting. „Einen erheblichen Teil unserer Beratungszeit verwenden wir, um mit den Ratsuchenden die Ursachen ihrer Überschuldung zu bearbeiten und problematische Verhaltensweisen zu verändern“, so der Schuldner- und Insolvenzberater. Erst wenn sich die persönliche und wirtschaftliche Situation so weit stabilisiert habe, um einen „Drehtüreffekt“ zu vermeiden, werde ein Insolvenzverfahren vorbereitet.
 
Eine Insolvenzberatung dauert daher im Durchschnitt neun bis 12 Monate und umfasst sechs bis acht Gespräche mit den Klienten. Die Ratsuchenden werden bei Schuldenbereinigungsplänen und Regulierungsvorschlägen unterstützt. Die Berater bearbeiten die Insolvenzanträge und begleiten durch das Insolvenzverfahren.
 
Petra M. hat sich, wie alle anderen, die einen Insolvenzantrag stellen, verpflichtet, ihr pfändbares Vermögen und Einkommen an einen vom Gericht bestellten Treuhänder abzugeben. Von diesen Beträgen werden zunächst die Verfahrenskosten bezahlt und anschließend die Gläubiger befriedigt. Bislang hat Petra M. ihre Pflichten gut erfüllt. Sie hat dem Treuhänder und dem Gericht regelmäßig Auskunft über ihre Einkommensverhältnisse erteilt und keine neuen Schulden gemacht. „2010 wird sie daher den Beschluss über die Restschuldbefreiung erhalten“, weiß Jürgen Eiting.
 
Die Offene Sprechstunde der Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter in der Klingenderstraße 13 findet Mo 9-11 Uhr und Do 15-17 Uhr statt. Weitere Sprechstunden gibt es in Bad Lippspringe, Borchen, Büren, Delbrück und Salzkotten. Information und Terminvereinbarungen Mo-Fr 9-12 Uhr unter Tel.: (05251) 5002-24. Internet: www.diakonie-pbhx.de
 


Schuldnerberatung-Team
Helfen bei Überschuldung: Jürgen Eiting (v. l.) , Lilli Hamm, Petra Knaup, Christa Korsikowski und Uwe Roensch vom Team der Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter.
Foto: Oliver Claes

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