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Was die Kirche trägt: Evangelium und Menschen
SYNODE Visionen und Gemeindeaufbau im Zentrum

Hat mit 75 Jahren die Altersgrenze erreicht und wurde als Mitglied der Kreissynode von Superintendentin Anke Schröder verabschiedet: Heinrich Mayer aus der Evangelischen Kirchengemeinde Beverungen, der hier auch 13 Jahre lang Mitglied des Presbyteriums war.FOTO: HEIDE WELSLAU |
NIEHEIM/PADERBORN (ekp/cla/wels). „Einen würdigen und ermutigenden Auftakt“ nannte Superintendentin Anke Schröder den Gottesdienst, mit dem die Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn am 5. Juni in Nieheim (Kreis Höxter) begann. Die Kollekte des Gottesdienstes in der Kreuzkirche brachte die Verbundenheit mit dem Partner-Kirchenkreis Kusini B in Tansania zum Ausdruck. Sie ergab 482 Euro für die Opfer des Unwetters. Die leitende Theologin des Kirchenkreises Paderborn begrüßte 98 von 115 stimmberechtigten Mitgliedern der Synode sowie zehn beratende Mitglieder in der Stadthalle Nieheim. Die Synode, das Beratungs- und Beschlussgremium, das 84.000 Protestanten in 23 Kirchengemeinden in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie im lippischen Lügde vertritt, setzt sich aus Theologinnen und Theologen sowie aus Abgeordneten aus den Gemeinden zusammen.
Als Gäste nahmen an der Synode Landeskirchenrat Dr. Rainer Dinger von der Evangelischen Kirche in Westfalen, Dekanatsreferent Markus Schmiegel vom Dekanat Paderborn sowie der Bürgermeister von Nieheim, Johannes Kröling, und der stellvertretende Bürgermeister von Steinheim, Johannes Meyer, teil.
In ihrem Bericht ging Superintendentin Anke Schröder auf die neue Konzeption für den Kirchenkreis Paderborn mit dem biblischen Leitbild „Als lebendige Steine lasst euch aufbauen zu einem geistlichen Haus (1. Petrus 2, 5) “ ein: Das Haus des Kirchenkreises sei als ein Haus aus lebendigen Steinen im Werden, als sichtbare Kirche und als geistliche Gemeinschaft. „Wir bleiben Mitarbeitende. Der Hausherr ist ein anderer“, so Schröder.
Unter den Überschriften „Was uns trägt“, „Was uns verbindet“ und „Worauf wir hoffen“, legte die Superintendentin dar, wie kirchliches Handeln in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise gelingen kann. Zwar bestimme die materielle Grundlage auch die Arbeit des Kirchenkreises und seiner Gemeinden. Doch „die Pfunde, mit denen wir wuchern können, sind das Evangelium und die Menschen“, meinte sie zuversichtlich. Gegen die Gefahr der Überforderung helfe das Schöpfen aus der Quelle des Evangeliums. Nur so könne es weitergegeben, könnten Menschen begleitet werden.
Die vielfältige Arbeit, die die Diakonie Paderborn-Höxter e.V. in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und diakonischen Trägern leiste, weise sie als einen lebendigen Stein im Haus der Kirche aus. Schröder lobte „die Offenheit für Veränderungen, die Sensibilität für drängende Probleme und den Mut, Marktlücken zu schließen“.
Anke Schröders Antwort auf die Frage, ob Ehrenamtliche nun verstärkt die Arbeit tun sollen, die nicht mehr bezahlt werden könne, war eindeutig: „Die ehrenamtliche Arbeit hat ihren eigenen Stellenwert und ist kein Ersatz für Hauptamtlichkeit.“ Was Ehrenamtliche leisteten, könne nicht bezahlt werden. In Zeiten, in denen Hauptamtlichkeit zurückgehen müsse, sei die Kirche verstärkt auf Ehrenamtliche angewiesen. „Sie als Ersatz zu sehen, käme jedoch einer Abqualifizierung gleich, die unserem Konzept einer Qualifizierung des Ehrenamtes völlig zuwiderläuft“, meinte Schröder.
Über die Pfarrstellenplanung im Kirchenkreis, die auf der letzten Synode im Februar beschlossen wurde, gab Synodalassessorin Ute Wendorff einen ersten Zwischenbericht. Nur noch die Gemeindegliederzahlen und die Fläche der Kirchengemeinde sollten bei der Berechung zugrunde gelegt werden, nicht mehr aber vorhandene Gebäude und Einrichtungen wie zum Beispiel Kindergärten, lautet einer der Vorschläge. Das Ergebnis wird der Synode 2010 zur Diskussion und Beschlussfassung vorgelegt.
Einen Verbund der Tageseinrichtungen für Kinder, die von evangelischen Gemeinden getragen werden, wird es im Kirchenkreis zunächst nicht geben. Unmittelbare finanzielle Einsparungen seien damit nicht verbunden, berichtete Pfarrer Dieter Maletz vom Fachausschuss für Kindertageseinrichtungen. Es solle abgewartet werden, welche Erfahrungen mit der gerade eingerichteten Koordinatorenstelle für Kindertageseinrichtungen gemacht würden, so Maletz weiter.
„Was unsere Gemeinden wachsen lässt“ war das Thema des Vortrags von Dr. Peter Böhlemann vom Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Schwerte-Villigst. „Eine Kirche, die nicht wachsen will, will nicht mehr leben, sie stirbt“, sagte Böhlemann und machte Vorschläge, wie Wachstum in Zeiten knappen Geldes möglich sein kann. Dafür seien Visionen und Veränderung notwendig. Einen „Wachstumsschub“ würde es geben, wenn 80 Prozent der Finanzmittel für bewährte Arbeit ausgegeben und 20 Prozent in ergänzende Angebote für neue Zielgruppen gesteckt würden, ist Böhlemann überzeugt.
Die Synode beschloss, bei der Evangelischen Kirche von Westfalen die Umbenennung des „Kirchenkreises Paderborn“ in „Evangelischer Kirchenkreis Paderborn“ zu beantragen. Im mehrheitlich katholisch geprägten Umfeld des Kirchenkreises sei es wichtig, als evangelisch erkannt zu werden, sagte Superintendentin Anke Schröder.
Die Delegierten kommen am Freitag, 18. September, im Technologiezentrum Lichtenau erneut zusammen, um sich auf einer Synodaltagung intensiv mit dem Thema „Globalisierung gestalten“ zu beschäftigen.
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