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Zunehmende Verarmung steht im Brennpunkt
JAHRESBERICHT Diakonie Paderborn-Höxter e.V. in Warburg über Zahlen und die Menschen dahinter
von SANDRA WAMERS
WARBURG – Das Team der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. in Warburg hat jetzt seinen Jahresbericht 2008 vorgelegt. Im Brennpunkt steht die Verarmung. 75 Prozent der Ratsuchenden sind von Armut bedroht. Die häufigsten Ursachen: „Arbeitslosigkeit, Trennung und riskantes Kaufverhalten“, resümiert Dienststellenleiterin Katharina Linpinsel.
Im vergangenen Jahr wurden 33 Privatinsolvenzen von der diakonischen Schuldnerberatung begleitet. Das war noch vor der Finanzkrise. „In der Schuldnerberatung zeigen sich die Auswirkungen der Krise erst ein paar Monate später“, weiß Katharina Linpinsel. Insgesamt 241 Gespräche habe Evelyn Vornweg geführt. Dabei hat das Team eine vordergründig widersprüchliche Beobachtung gemacht: „Armut trotz Arbeit“, so Linpinsel. Immer mehr Menschen seien trotz eines Jobs auf staatliche Hilfeleistungen angewiesen.
Die Anfragen in der Beratungsstelle steigen. Rund 600 Einmalberatungen wurden in der offenen Sprechstunde der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. in Warburg geführt. „Wir wollen die Wartezeiten so kurz wie möglich halten. Es wird niemand ohne ein Erste-Hilfe-Gespräch fortgeschickt“, betont Leiterin Linpinsel.
In der Sucht- und Drogenberatung hat das Team 156 Menschen in 1.092 Gesprächen beraten. 38 Prozent der Ratsuchenden suchten einen Weg aus dem Alkoholismus, 26 Prozent konsumierten Drogen und 14 Prozent der Gesprächskontakte wurden mit Angehörigen von Suchterkrankten geführt. „Immer öfter liegen auch sogenannte Doppeldiagnosen vor“, berichtet Katharina Linpinsel. Bei einer Doppeldiagnose gehe die Sucht mit einer psychischen Störung wie etwa einer Depression einher. Eine Doppeldiagnose müsse „auf zwei unterschiedlichen Schienen“ behandelt werden.
Zum Angebot der Sucht- und Drogenberatung gehören Informationsgespräche, die zunehmend auch anonym in der Online-Beratung per E-Mail erfolgen, und die Soforthilfe in Krisensituationen sowie die Vermittlung und Begleitung in eine stationäre Einrichtung mit dem Nachsorge-Angebot nach der stationären Behandlung. Auch eine Selbsthilfegruppe wird von der Beratungsstelle in Kooperation mit dem Ambulant Betreuten Wohnen koordiniert.
Das Beratungsangebot der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. richtet sich an die ganze Familie. In der Lebens- und Familienberatung werden Menschen sowohl mit finanziellen, psychischen oder Lebens- und Beziehungsproblemen beraten. Auch Erziehungsschwierigkeiten und Probleme mit Behörden können angesprochen werden. In 2008 suchten hier 180 Menschen individuelle Hilfe.
„Aber viele Menschen brauchen mehr als eine Beratung“, betont Linpinsel. „Deshalb haben wir eigene Projekte initiiert“. Die Projekte werden von ehrenamtlich tätigen Mitarbeitenden durchgeführt und von einerhauptamtlichen Kraft begleitet und koordiniert. Die Projekte sind: Der Warburger Mittagstisch, an dem wöchentlich bis zu 90 Menschen speisen, und für den 650 Menschen einen Berechtigungsausweis aufgrund der Einkommensgrundlage innerhalb des Arbeitslosengeldes II besitzen. Seit September 2008 bietet der Sozialpädagoge Sebastian Roesler Hilfe und Beratung beim Mittagstisch an. Im letzten Jahr wurden in der Schulmaterialienkammer 158 Kinder mit Utensilien für den Schulalltag ausgestattet. Einmalige und kurzfristige Hilfen werden im dritten Projekt organisiert: der „Warburger Hilfebörse“.
Diese Projekte werden von Ehrenamtlichen getragen und durch Spenden finanziert. Ein hohes Engagement, das das Diakonie-Team mit Zahlen belegt: In der „Warburger Hilfebörse“ engagieren sich 51 Ehrenamtliche, 63 sind es beim Mittagstisch, sieben in der Schulmaterialienkammer, 13 in der Beratungsstelle sowie 19 im Diakonie-Ausschuss und im Förderverein. Das sind 146 Menschen, die sich für ihre Mitbürger in der Region engagieren.
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