Kirchen und DGB bündeln Kräfte für 1. Paderborner Sozialkonferenz

Armuts- und Reichtumsbericht soll Handlungszwang gegen wachsende soziale Ungerechtigkeit deutlich machen

PADERBORN (ekp/wels). Weil die soziale Ungerechtigkeit auch in der Stadt Paderborn immer größer wird, veranstalten der Evangelische Kirchenkreis Paderborn und das Dekanat Paderborn gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund der Region Paderborn-Lippe-Höxter und dem Sozialinstitut Kommende Dortmund am Samstag, 28. Februar, die 1. Paderborner Sozialkonferenz. Mit dem Titel „Hungern nach Gerechtigkeit“ findet sie von 10 bis 14 Uhr im Audimax der Theologischen Fakultät am Kamp 6 in Paderborn statt.
 
Neben (politischen) Entscheidungsträgern insbesondere aus den Bereichen Arbeit, Bildung und Soziales sind alle Bürgerinnen und Bürger, Interessierte und Betroffene, dazu eingeladen. Sie können sich an den angebotenen Workshops „Wege aus der Arbeitslosigkeit“, „Wege aus der Armutsfalle“ oder „Wege aus der Bildungsarmut“ beteiligen. Zu hören ist zuvor das Impulsreferat „Wachsende Armut in einem reichen Land“ von Dr. Ulrich Thien, Leiter des Referats Soziale Arbeit beim Diözesancaritasverband Münster, sowie am Ende eine Podiumsdiskussion. Bis zum 20. Februar wird um eine Anmeldung gebeten beim Dekanat Paderborn, Leostr. 9, Tel. 05251 / 21502, E-Mail: info@dekanat-pb.de. Eine spontane Teilnahme ist ebenfalls möglich.
 
Dass die Themen der Sozialkonferenz wie mangelhafte (Weiter)Bildungschancen, Ausbildungsplatzproblematik oder Kinderarmut gerade auch jungen Menschen unter den Nägeln brennen, zeigen erste Anmeldungen von Schulklassen. In der Mittagspause ist um 12.30 Uhr eine Aufführung des Schülerkabaretts „Spee-Zialisten“ der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule zu sehen. Anschließend präsentieren die Arbeitsgruppen um 12.45 Uhr ihre Ergebnisse.
 
„Wir machen die Sozialkonferenz, weil wir uns selbst in der Pflicht und in der Arbeit sehen, in der Stadt etwas zu tun“, verweist die Superintendentin des Kirchenkreises Paderborn, Anke Schröder, auf den doppelten Auftrag der Kirche: Einerseits werde den Menschen, die in die Beratungsstellen kommen, in konkreter Not geholfen, andererseits sei politisches Engagement erforderlich, um die Weichen neu zu stellen.
 
„Wir werden von der Politik gehört“, ist die positive Erfahrung von Susanne Bornefeld, Sozialbeauftragte des Kirchenkreises und Leiterin der Arbeitslosenberatung der Diakonie Paderborn-Höxter. „Mit der Sozialkonferenz möchten wir auf die Missstände in unserer Region hinweisen und Wege daraus aufzeigen“, nennt sie Ziele der 1. Paderborner Sozialkonferenz, an deren Ende eine Paderborner Erklärung veröffentlicht werden soll. Auch fordern die Veranstalter einen jährlichen Armuts- und Reichtumsbericht der Stadt Paderborn. Dieser soll dazu beitragen, den Handlungszwang deutlich zu machen und negative wie positive Entwicklungen besser verfolgen zu können.
 
„Als Kirchen und als Gewerkschaft sind wir an der Basis dran“, verweist Dechant Benedikt Fischer auf die deutlich spürbare Verarmung vieler Menschen besonders seit der Einführung von Hartz IV. Als Beleg führt er die wachsenden Zahlen derjenigen an, die zum Beispiel auf die Hilfe der Schulmaterialienkammern und der Lebensmittelabgabe durch die Tafeln angewiesen sind. Fischer ist eine neue Bildungs- und Schulkultur besonders wichtig, die auch die regelmäßigen Mahlzeiten junger Menschen im Blick hat.
 
Auf die Problematik der Zunahme von Leih- und Zeitarbeit sowie auf die staatliche Subventionierung von Armutslöhnen weist die Vorsitzende des DGB Paderborn-Lippe-Höxter, Astrid Bartols, hin. Allein im Kreis Paderborn müssten 4400 Menschen trotz Erwerbsarbeit aufstockende, staatliche Hartz IV-Leistungen beantragen. Umschulungen fänden kaum noch statt, Eingliederungsmaßnahmen seien aus gewerkschaftlicher Sicht oft eine „Mogelpackung“.
 
Wichtig ist den Initiatoren, dass die 1. Paderborner Sozialkonferenz „keine Jammerveranstaltung“ wird. Am Ende sollen konkrete Forderungen und erste gemeinsame Schritte stehen. „Für mich wäre die Sozialkonferenz ein Erfolg, wenn wir am Schluss sagen würden: Wir vereinen unsere Kräfte zum Wohl derer, die von Armut betroffen und bedroht sind“, so Superintendentin Anke Schröder. Die leitende Theologin des Kirchenkreises Paderborn wird neben Dr. Ulrich Thien, Monsignore Thomas Dornseifer (Leiter Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn), Norbert Müller (stellv. Landesvorsitzender der GEW) sowie Guntram Schneider (Vorsitzender DGB NRW) an der Podiumsdiskussion um 13 Uhr teilnehmen.
Flyer-Sozialkonferenz2.pdf
 


Sozialkonferenz
Werden sich auf der 1. Paderborner Sozialkonferenz mit den Themen Armut, Arbeit und Bildung beschäftigen: die Initiatoren und Mitwirkenden (v.l.) Dechant Benedikt Fischer, Kirchenkreis-Sozialbeauftragte Susanne Bornefeld, DGB-Vorsitzende Astrid Bartols und Superintendentin Anke Schröder (Ev. Kirchenkreis Paderborn).
FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

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