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Jedes Kind hat das Recht auf Bildung
Evangelische Kirche von Westfalen und Kirchenkreis Paderborn fordern gerechte Teilhabe aller Kinder an Bildung
Paderborn (afj/ekp). Interviews von Kindern mit Prominenten und Passanten sowie Aktionen auf dem Rathausplatz machten aufmerksam: Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung. Mit dieser Veranstaltung der Schulmaterialienkammer der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. und des Amtes für Jugendarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn setzte die Kampagne „Lasst uns nicht hängen! – Gegen Kinderarmut“ der Evangelischen Kirche von Westfalen ihren Kampf gegen Kinderarmut auch 2009 fort, denn 2,5 Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut betroffen und dadurch auch in ihren Bildungschancen benachteiligt.
Was kostet ein Schuljahr? Diese Frage konnten Passanten am Aktionsstand der Schulmaterialienkammer beantworten.
Foto: Anja Lukas-Larsen
„Was ist eigentlich Armut?“ und „Was tut die Stadt, um armen Kindern zu helfen“ – diesen und ähnlichen Fragen musste sich zum Beispiel Heinz Paus, Bürgermeister der Stadt Paderborn, am Samstag in einem Interview der besonderen Art stellen. Nicht Vertreter der Presse, sondern Kinder wollten auf diese Fragen eine Antwort. Währenddessen wurden Passanten auf dem Rathausplatz gefragt „Wissen Sie, was eigentlich ein Schuljahr kostet?“ Außerdem wurden Informationen zur Schulmaterialienkammer gegeben, Luftballons an Kinder verteilt und auf großen Papierfüßen daran erinnert, was eine Familie alles für Schüler anschaffen muss: Tornister, Geodreieck, Zirkelkasten, Schulbücher, Hefte, Malkasten.
Die Schulmaterialienkammer
Aus gutem Grund hat die Kampagne „Lasst uns nicht hängen! – Gegen Kinderarmut“ der westfälischen Landeskirche Paderborn als ihren vierten Aktionsort ausgesucht, denn die Arbeit der Schulmaterialienkammer der Diakonie Paderborn-Höxter war die erste ihrer Art bundesweit. Seit 2005 können dort Familien mit niedrigen Einkünften Materialien für die Schule erhalten. „Und die Nachfrage wächst“, so Jutta Vormberg, Geschäftsführerin der Diakonie. Seit Beginn des laufenden Schuljahres wurden über 900 Schüler von der Kammer ausgestattet. Ohne die Unterstützung durch die Stadt, viele großzügige Spender und ein Team von 15 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, so Vormberg, wäre dies nicht möglich gewesen.
Fragen zur Kinderarmut: Svea Neumann (9 Jahre, r.) und Tabea Multhaupt (9 Jahre) befragen Paderborns Bürgermeister Heinz Paus, was die Stadt für arme Kinder tut. Hinter der Kamera steht Vivien Multhaupt (9 Jahre).
Foto: Oliver Claes
Das Schulbedarfspaket
Aktuell wurde von der Politik das Schulbedarfspaket mit 100 Euro pro Jahr eingeführt. „Wir verstehen diese Entwicklung auch als Anerkennung für unsere hier geleistete Arbeit“, erklärte Susanne Bornemann, Initiatorin und einzige hauptamtliche Mitarbeiterin der Schulmaterialienkammer. Bornefeld führte aber aus, dass die Kosten für vorgeschriebenes Schulmaterial tatsächlich wesentlich höher seien. Ihre Berechnungen haben ergeben, dass sich die Summe im 1. Schuljahr auf rund 290 Euro beläuft, im 5. Schuljahr bereits auf 408 Euro und für Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse sogar auf 728 Euro im Jahr. Da allerdings nur Schüler bis zur 10. Klasse ausgestattet würden, sagte Bornefeld, stelle sich ihr die Frage „Sollen arme Kinder kein Abitur machen?“. Bildung sei schließlich eine Investition in die Zukunft und nicht nur ein Kostenfaktor.
Junge Reporterin in Aktion: Svea Neumann (9 Jahre) befragt vor dem Paderborner Rathaus Superintendentin Anke Schröder zum Thema Kinderarmut.
Foto: Anja Lukas-Larsen
Anke Schröder, Superintendentin des Kirchenkreises Paderborn und Gastgeberin für die Kampagne beschrieb, dass sich die Kirche beim Thema Kinderarmut doppelt heraus gefördert fühle. Zum einen sei es das Anliegen, Betroffenen durch Projekte, Beratung und Begleitung zu helfen, zum anderen gehe es der Kirche aber auch um das Bemühen, mehr Gerechtigkeit zu erreichen.
Bürgermeister Heinz Paus berichtete vom finanziellen Engagement der Stadt auch bei Kindertageseinrichtungen und Offenen Ganztagsschulen. „Das ist gut angelegtes Geld“, so Paus, dadurch wolle man nicht nur Symptome bekämpfen, sondern Entwicklungen anstoßen und Kinder früh fördern.
Ziele und Forderungen der Kampagne

Flagge für Kinder zeigen: Die Kinderresolution weht am Paderborner Rathaus. Dort sind die Forderungen der Kinder notiert, die den Erwachsenen im Sommer 2008 auf dem Kindergipfel übergeben wurden mit dem Auftrag: „Ihr Erwachsenen, redet nicht nur – tut was.“
Foto: Anja Lukas-Larsen |
Die bis November 2009 laufende Kampagne der Evangelischen Kirche von Westfalen „Lasst uns nicht hängen!“ zielt darauf, die Mitverantwortung in Kirche und Gesellschaft bewusst zu machen sowie Hintergründe und Folgen von Kinderarmut zur Sprache zu bringen, um Gerechtigkeit einzufordern. Zu den politischen Zielen der Kampagne gehören eine warme Mahlzeit täglich für jedes Kind sowie die Teilhabe von Kindern am gesellschaftlichen Leben unabhängig von der finanziellen Lage im Elternhaus. Gefordert werden unter anderem kostenfreie Plätze im Kindergarten und offenen Ganztagsschulen, kostenfreie Schulbücher, Zugang zu Computern und ins Internet, Teilnahme an Schulfahrten, Zugang zu öffentlichen Kultur- und Freizeitangeboten.
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