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Gott liebt Gerechtigkeit
Fachtagung der Diakonie zu "Frauen in Religion und Gesellschaft"
Paderborn - "Es gibt Realitäten, die man nicht abstreiten kann. Frauen werden ungerecht behandelt und man schiebt diese Verhaltensweisen dem Islam zu." Hamideh Mohagheghi, Lehrbeauftragte für Islamwissenschaften an der Universität Paderborn, sprach aus, was für die Lebensbedingungen von Frauen nicht nur im Islam prägend ist. Sowohl der Islam als auch das Christentum verlangen die Gleichwertigkeit der Geschlechter - und doch ist es zur gesellschaftlichen Verwirklichung dieses religiösen Auftrags oft noch ein weiter Weg. Diese und andere Themen standen im Mittelpunkt der Fachtagung "Unterschiede oder Ungleichheiten - Frauen in Religion und Gesellschaft" der Diakonie Paderborn-Höxter e. V..
Eingefunden hatten sich Aktive aus verschiedensten sozialen Arbeitsfeldern im Raum Paderborn, aus Schulen, Kindertageseinrichtungen, Jugend-, Familien- und Sozialarbeit. Ziel war es, das Verständnis für kulturelle und religiöse Hintergründe zu vertiefen und für versteckte Formen von Ungleichbehandlung und Diskriminierung zu sensibilisieren.
"Gott liebt die Gerechtigkeit", so Pfarrerin Elke Hansmann, Frauenbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Paderbon. "Und das soll sich spiegeln in den Menschen, die an ihn glauben." Obwohl beispielsweise zur Wirkungszeit Jesu Frauen nur wenige Rechte hatten, brachte Jesus den Frauen doch dieselbe Wertschätzung entgegen wie Männern. Geradezu revolutionär sei es beispielsweise für die Zeitenwende gewesen, so Hansmann, dass Frauen die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren - oder dass Frauen in den urchristlichen Gemeinden dieselben Ämter und Funktionen bekleideten wie Männer. Dennoch habe das kirchliche Leben sich den übermächtigen patriarchalen Strukturen der umgebenden Gesellschaft schnell angepasst - das wirke trotz aller Fortschritte bis heute nach.
Wie viele Parallelen es in diesem Punkt zum Islam gibt, machte das Referat der islamischen Theologin Hamideh Mohagheghi deutlich. Aussagen wie
"Wer Frauen ehrt, ist selbst ehrenwert. Wer Frauen beleidigt, ist von niederer Gesinnung und gemein" seien verschiedentlich im Koran und in den Überlieferungen zum Leben und Wirken Mohammeds zu finden und stellten für die damalige Zeit revolutionäre Forderungen dar. Auch hier hätten sich in der Frühzeit des Islam zunächst liberale religiöse Gesellschaftsformen entwickelt, die nach einigen Jahrhunderten aber in patriarchale Strukturen zurückgefallen seien. "Es trat Stagnation durch Orthodoxie ein", so Mohagheghi. Heute sei die religiöse Sozialisation von Frauen oft mit vielen Ängsten vor einem strafenden Gott verbunden, obwohl der Koran doch von einem gütigen Gott spreche. "Viele Frauen haben das Gefühl, etwas Schlechtes über Gott und die Religion zu sagen und von Allah bestraft zu werden, wenn sie über Probleme und Unterdrückung sprechen", so die Theologin. "Unser Ziel in der Erziehung muss es aber sein, eine Religion zu lehren, die frei und heil macht."
Einen ganz anderen Zugang zu Ungleichgewichten in der Gesellschaft offenbarte das Referat von Anne Broden, Projektleiterin des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit in NRW. "Rassismus ist die Aufteilung der Gesellschaft in ein "Wir" und ein "Sie", in ein "dazugehörig" und ein "nicht dazugehörig". So werde beispielsweise der sogenannte "Ehrenmord" von Berlin moralisch anders bewertet als die Misshandlung und Ermordung leiblicher Kinder durch deutschstämmige Familien. "Ein solcher 'Ehrenmord' zeigt angeblich die Rückständigkeit des Islam, und die Forderung nach Ausweisung der gesamten Familie wird laut", so Broden. "Im Fall von ermordeten Kindern haben aber in der Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft die Jugendämter versagt und die Familie ist durch das soziale Netz gefallen". Hier dürfe nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.
"Unser Selbst funktioniert offenbar nur in Abgrenzung zum anderen - das ist menschlich", fasste Moderatorin Jutta Vormberg schließlich zusammen. Mit Referentin Anne Broden war sie sich einig: "Unterschiede dürfen wir weder verschweigen noch unnötig betonen. Eine Portion Humor kann helfen, Brücken zu bauen."
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