| Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter
Sinkende Einkommen führen zur Verschuldung
Paderborn. Spürbar steigende Lebenshaltungskosten oder drohende Altersarmut sind gegenwärtig viel diskutierte Themen. Sie spiegeln sich auch im Beratungsalltag der Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter wider. Bei immer mehr Menschen wird das Geld knapp. Sie können Rechnungen nicht mehr bezahlen, ignorieren Mahnungen und geraten in die Schuldenfalle.
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Beratungsfälle in der Schulderberatung der Diakonie deutlich angewachsen. Im Jahr 2005 waren es 488, im letzten Jahr 676, eine Steigerung um 38,5 Prozent. Die Warteliste verlängerte sich in diesem Zeitraum um rund 76 Prozent von 247 auf 437 Ratsuchende. In den ersten Monaten 2008 wurde die Offene Sprechstunde der Schuldnerberatung verstärkt in Anspruch genommen, im Durchschnitt von 15 Betroffenen.
Zugenommen hat auch die Zahl junger Menschen, die sich mit Krediten für das erste eigene Auto oder die erste eigene Wohnung finanziell übernommen haben. Handyverträge und das Internet können ebenfalls zur Verschuldung führen. „Es fängt mit Klingeltönen an und endet mit Darlehensverträgen für Pokerspiele im Internet“, weiß Schuldnerberater Jürgen Eiting.
Ebenfalls häufiger gehen ältere Menschen zur Schuldnerberatung. „Das gab es früher nur in Ausnahmefällen“, sagt Klaus Roesler mit Blick auf die „verschämte Armut im Alter“. „Wir beraten sie über einen Anspruch auf Grundsicherung sowie über Möglichkeiten der Entschuldung“, so Jürgen Eiting.
Die Zahl der Menschen, die trotz Vollzeitbeschäftigung von ihrem Einkommen nicht mehr leben können und ergänzende Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen, steigt stetig an. „Wenn das Einkommen sinkt und ein großer Teil des Haushaltsbudgets durch Fixkosten gebunden ist, kann der Lebensunterhalt nicht mehr bezahlt werden, und es entstehen Schulden“, sagt Klaus Roesler.
Die Hälfte der Ratsuchenden in der Schuldnerberatung sind Empfänger von Arbeitslosengeld 2 (auch Hartz IV genannt). Weitere 35 Prozent sind von Arbeitslosigkeit bedroht, denn Schulden und Pfändungen können zu Problemen am Arbeitsplatz führen. „Das geht soweit, dass Menschen mit Schulden nicht zur Arbeit kommen können, weil sie das Benzin oder Reparaturen am Auto nicht mehr bezahlen können“, erzählt Klaus Roesler, der bei Arbeitgebern um Verständnis für die Situation seiner Klienten wirbt.
Im Einzelfall geben die Schuldnerberater der Diakonie ganz praktische Tipps für den Alltag. Sie zeigen nicht nur Wege aus der Verschuldung auf, sondern arbeiten mit den Ratsuchenden daran, dass diese zukünftig mit ihrem Einkommen auskommen.
Um den steigenden Verschuldungszahlen und der begrenzten Beratungskapazität zu begegnen, setzt die Diakonie auf Gruppenarbeit. So wurden im vergangenen Jahr fünf Informationsveranstaltungen mit 145 Personen zur Verbraucherinsolvenz durchgeführt. „Wir stellen die Systematik des Insolvenzverfahrens vor, und im Anschluss entscheiden die Teilnehmer, ob sie in der Gruppe arbeiten wollen“, erläutert Jürgen Eiting.
In Paderborn findet die Offene Sprechstunde der Schuldnerberatung der Diakonie in der Klingenderstraße 13 montags von 9-11 Uhr und donnerstags von 15-17 Uhr statt. Weitere Sprechstunden gibt es in Bad Lippspringe, Borchen, Büren, Delbrück und Salzkotten.
Information und Terminvereinbarungen
Mo-Fr 9-12 Uhr, Do 14-18 Uhr
Tel.: (05251) 5002-24
Internet: www.diakonie-pbhx.de
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