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Evangelische Gemeinden sollen sich einmischen
Globalisierung und christliche Verantwortung
Kreis Paderborn / Kreis Höxter / Lügde (ekp). Die Evangelische Kirche von Westfalen will eine breite Diskussion über den Staat und seine Aufgaben angesichts der wirtschaftlichen Globalisierung anstoßen. Im Kirchenkreis Paderborn haben Superintendentin Anke Schröder und die Landtagsabgeordnete Sigrid Beer (Bündnis 90/Die Grünen) die Gemeindeglieder eingeladen, sich an der Meinungsbildung zu beteiligen.
Sigrid Beer stellte auf der Pfarrkonferenz in Bad Driburg die dazu gehörende Hauptvorlage „Globalisierung gestalten! Staat und Kirche: Herausgefordert zu Recht und Frieden in der einen Welt.“ vor. Als Mitglied im Ausschuss zur Erarbeitung der Hauptvorlage hat Beer am Text, der jetzt Diskussionsgrundlage ist, mitgearbeitet. Die Politikerin ist unter anderem Vorsitzende des Umweltausschusses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) sowie kirchenpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen-Landtagsfraktion.
Von der Globalisierung gehe die Gefahr eines handlungsunfähigen Staates und des Vertrauensverlustes der Politik aus, beschrieb Beer die gegenwärtige Situation. Bei Themen wie Steuerrecht, Finanzpolitik und Migration sei viel zu tun. Unverzichtbar ist für sie eine Diskussion über die Frage: „In welchem Staat wollen wir leben und welche Rolle spielt der Einzelne darin?“
Ziel sei es gewesen, so Sigrid Beer, nicht eine feste Position, sondern eine offene Diskussionsgrundlage zu liefern und zum Innehalten und Nachdenken anzuregen. „Es ist ein Arbeitsbuch“, erläuterte Beer. Der Text gibt Impulse zum Handeln und stellt beispielhafte Projekte vor. Während Globalisierung in den Medien überwiegend unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werde, beschreibe die Vorlage auch eine sozial-ethische Sichtweise, sagte Superintendentin Anke Schröder.
Die Hauptvorlage stellt den umfassenden Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftsverflechtungen den demokratischen Rechtsstaat gegenüber. Ausgangspunkt ist dabei das so genannte Barmer Bekenntnis von 1934, mit dem sich die evangelische Kirche gegen den totalitären NS-Staat abgrenzte. Der Bezug zur Barmer Erklärung bildet für Sigrid Beer den roten Faden des Buches und sei aus theologischer und staatlicher Sicht spannend. „Ist alles, was in unserem Staat Recht ist, auch richtig und gerecht?“ lautet für die Politikerin die grundlegende Frage.
Hier setzt Beers Kritik an der Endfassung des Textes ein. „Die Frage nach Recht und Gerechtigkeit finde ich so in der Hauptvorlage nicht wieder.“ Auch bei anderen Themen wie Umweltschutz und Klimapolitik seien die Positionen an vielen Stellen harmlos und schnell konsensfähig, aber kein Stolperstein mehr.
Bis zum Sommer 2008 haben die Gemeinden Zeit, sich ihre eigene Meinung zu bilden und Stellungnahmen an die Synode des Kirchenkreises am 6. Juni abzugeben. 2009, 75 Jahre nach dem Barmer Bekenntnis, will die Landeskirche eine endgültige Position verabschieden. „Nicht nur Presbyterien und Ausschüsse können Stellungnahmen abgeben. Alle Interessierten dürfen sich auch Gemeinde übergreifend einbringen, beschrieb Superintendentin Anke Schröder Möglichkeiten zur Teilnahme am Diskussionsprozess. „Es geht um die Positionierung: Wie verstehen wir uns als Kirche? Welche Rolle wollen wir einnehmen?“
Weitere Informationen und der Text der Vorlage im Internet: www.globalisierung21.de
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