Mitgliederversammlung der Diakonie Paderborn-Höxter e.V.

Den Auftrag klar formulieren

Bad Driburg/Kreis Paderborn/Kreis Höxter - "Eine schwierige Wegstrecke liegt hinter uns", sagte die Vorsitzende des Verwaltungsrates der Diakonie Paderborn-Höxter e.V., Superintendentin Anke Schröder, auf der Mitgliederversammlung im evangelischen Gemeindehaus in Bad Driburg. Immer enger werdende finanzielle Spielräume, steigende Anforderungen, zunehmende Anfragen nach konkreter Hilfe sowie durch Reformen bedingte Veränderungen und Umstellungen im "Haus der Kirche" und damit auch in der Diakonie hätten das vergangene Jahr geprägt. Zwar habe der Druck von draußen nachgelassen, doch zurücklehnen könne man sich nicht.
 
Wie aus dem anschließenden Jahresbericht hervorging, den die Geschäftsführerin Jutta Vormberg vorstellte, konnte das negative Ergebnis von 2005 in 2006 ausgeglichen werden. Es wurde sogar ein Jahresüberschuss erzielt, so dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Verzichtsleistung des Weihnachtsgeldes 2006 zurückgezahlt werden konnte. Jutta Vormberg dankte den Mitarbeitern ganz besonders für die erwiesene Solidarität. Nach wie vor sei aber von einer schrittweisen Reduzierung der Kirchensteuermittel in den nächsten Jahren auszugehen. Auf die veränderte Situation habe die Diakonie bereits mit einer Anpassung und Reduzierung ihres Leistungsspektrums reagiert. Gleichzeitig seien zusätzliche Finanzmittel erschlossen worden.
 
Im Fokus des Jahresberichtes stand zudem die steigende Zahl von Armutsverhältnissen der Menschen vor Ort. Bedenklich stellt sich insbesondere die Situation für die Kinder dar. Fast jedes vierte Kind in NRW lebt in einem einkommensarmen Haushalt. „Wir haben in den letzten Jahren auf diese Verhältnisse reagiert, indem wir Schulmaterialienkammern, Mittagstische oder andere praktische Hilfestellungen initiiert haben“, so Geschäftsführerin Vormberg. Doch zeige sich, dass immer mehr Menschen ausgegrenzt würden. Darauf aufmerksam zu machen und sich für die Interessen der Schwachen einzusetzen, sei für die anwaltschaftliche Diakonie von besonderer Bedeutung. Vormberg: „Wir fordern die Wiedereinführung von Beihilfen, Teilhabepässen, Kostenbeiträge für Essen in Schulen und die Erhöhung der Regelsätze für Kinder“.
 
Dem Leitbild der anwaltschaftlichen Diakonie unter wirtschaftlichen Vorzeichen zu entsprechen, sei kein leichtes Unterfangen, sagte die Geschäftsführerin mit Blick auf die Zukunft. Einsparungen seien erfolgt, an der Umsetzung werde gearbeitet. Die dazu vom Verwaltungsrat festgelegten Leitlinien beinhalten unter anderem, eine strategische Personalplanung durchzuführen, die Verbindung zur Gemeindediakonie zu stärken, ein professionelles Fundraising einzuführen sowie eine Organisationsanalyse durchzuführen.
 
Als neues Mitglied in den Verwaltungsrat gewählt wurde Nelo Thies, Presbyterin in Borchen und Mitglied der Synode. Als Schriftführerin wiedergewählt wurde Brigitte Casson.
 
Auch Pfarrer Günther Barenhoff, Vorstand des Diakonischen Werkes von Westfalen, setzte in seinem Vortrag wichtige Impulse zum Umgang mit den veränderten Rahmenbedingungen. Für ihn steht fest: Diakonie ist Lebens- und Wesensäußerung der Kirche. Pfarrer Barenhoff skizzierte das Verhältnis von Kirche und Diakonie, nannte Konsequenzen und Ziele der Reformprozesse für die Diakonie und brachte aktuelle Ergebnisse des „Hammer-Reformtags“ der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) mit ein. „Es gibt eine Herausforderung für die Kirche und die Diakonie durch die gesellschaftspolitische und globale Situation. Darin liegt sowohl eine Chance als auch ein Risiko für die Verhältnisbestimmung von Kirche und Diakonie“, so Pfarrer Barenhoff. Impulse und Vorschläge ließen sich nur umsetzen, wenn Kirchengemeinden, Kreissynoden und Presbyterien diese gemeinsam beschließen. Der Auftrag müsse klar formuliert und die gemeinsame Verantwortung politisch wie operativ auf allen Ebenen verankert sein.
 


Mitarbeiterversammlung
Alter und neuer Vorstand und Verwaltungsrat: Superintendentin und Vorsitzende des Verwaltungsrates der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. Anke Schröder, Wolfgang Weigel, Jutta Vormberg, Geschäftsführerin und Vorstand, Diakoniepfarrer Detlef Schuchardt, neues Verwaltungsratmitglied Nelo Thies, Dr. Peter Janwlecke, Rolf Reinike, Gastreferent Pfarrer Günther Barenhoff und Jörg Teuteberg (von links).
Foto: Diakonie Paderborn-Höxter / Helga Krooß

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