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Geschichten vom Ende und Neubeginn
Abend mit dem Märchenerzähler Ulrich Zobus
PADERBORN - Die Märchen der Völker erzählen in Bildern vom Wesen des Lebens im Diesseits und im Jenseits. Verlust und Trauer sind darin allgegenwärtig, und mit dem Tod ist im Märchen oft ein Aufbruch zu neuen Ufern verbunden. Der Märchenerzähler Ulrich Zobus trug auf Einladung des Ambulanten Hospizdienstes St. Johannisstift e.V. im Dietrich-Bonhoeffer-Haus Zaubermärchen von Tod und Wandel vor.
Ulrich Zobus aus Lemgo ist seit 20 Jahren Märchenerzähler, hat ein Buch über die Kunst des Erzählens geschrieben und sammelt Märchen aus aller Welt. An diesem Abend kamen sie aus der Mongolei, aus Ozeanien, Russland, Serbien, Deutschland sowie von den Inuit und den Roma. Der Erzähler nahm seine Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise zu den Mythen der Völker. Mit seiner Stimme, Mimik und Gestik verlieh er den Erlebnissen der Heldinnen und Helden der Märchen Gestalt, mal sanft und zauberhaft, mal dramatisch und gruselig, aber auch leicht und humorvoll.
Zwischen den einzelnen Märchen spielte Zobus auf einer keltischen Harfe und schuf so ruhige Momente ohne Worte, um über das Gehörte nachzusinnen. Die Klänge der Harfe, die als ältestes Musikinstrument und als symbolische Leiter in eine andere Welt gilt, eröffneten stimmungsvoll den musikalischen Zugang zu den Geschichten, die zwischen Freude und Abschiedsschmerz, zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Toten wechselten.
So erzählte Zobus ein Märchen aus der Mongolei, das nicht nur eine Geschichte von Tod und Wiederkehr ist, sondern auch berichtet, wie die Märchen in die Welt kamen. Der Herrscher des Totenreiches schickt die Seele des verstorbenen Helden zurück und der zieht fortan als Märchenerzähler durch das Land.
Nicht fehlen durfte das bekannte deutsche Märchen vom Gevatter Tod, die Geschichte eines jungen Mannes, der mit Hilfe des Todes ein berühmter Arzt wird. Als er den Tod betrügt und dem König und seiner Tochter mit einem Zauberkraut das Leben rettet, holt ihn der Tod zu sich. Ein Märchen, bei dem man gleich an die aktuelle Frage denkt, wie weit die ärztliche Kunst gehen darf.
Mythologisch wurde es in einem Roma-Märchen. Eine uralte Frau findet abends einen erschöpften Greis vor ihrer Tür. Über Nacht verjüngt er sich in ihren Armen und verlässt am Morgen als strahlender Jüngling das Haus. Eine Erzählung, die den Lauf der Sonne und den ewigen Wechsel von Ende und Neubeginn symbolisiert.
Mit seinen Kulturveranstaltungen möchte der Ambulante Hospizdienst St. Johannisstift e.V. die Sichtweisen von Kunst, Musik und Literatur zu Sterben und Tod vorstellen und dazu beitragen, dass diese Tabuthemen wieder in das Leben und den Alltag integriert werden. Im Ambulanten Hospizdienst engagieren sich ausgebildete Ehrenamtliche, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Schwerkranke und Sterbende, ihre Angehörigen und Freunde zu begleiten - zu Hause, im Heim oder im Krankenhaus.
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