Seelsorge-Kurs "Ein Ohr für Dich" geht in die Praxisphase

Sorgen endlich mal aussprechen

WILLEBADESSEN / KREIS HÖXTER (dph) - "Am wichtigsten ist es mir, jemanden froh zurückzulassen", sagt Hildegard Daichendt, Diakonie-Presbyterin in der Evangelischen Kirchengemeinde Peckelsheim. Seit zehn Jahren engagiert sich die 53-Jährige im Vorstand ihrer Kirchengemeinde. Nun hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, einen Besuchsdienst für alte, kranke oder einsame Menschen in Peckelsheim aufzubauen. Dazu nimmt sie auch an einem Kurs für ehrenamtliche Seelsorge teil, den der Evangelische Kirchenkreis und die Diakonie gemeinsam anbieten.
 
"Man lernt, besser zuzuhören", sagt die Mutter von einer erwachsenen Tochter. Im einzelnen ging es in dem Kurs unter dem Motto "Ein Ohr für dich" um Trauerarbeit, Gesprächsstrukturen und -verläufe oder einfach Rahmenbedingungen und Selbstverständnis der Seelsorge. Zu der Theorie kamen immer wieder praktische Übungen, verschiedenste Gesprächssituationen wurden erprobt. "Nun weiß ich einfach viel genauer, was ich im Laufe eines Gespräches beachten muss", so Hildegard Daichendt.
 
Die Telefonnummer von Steuerfachangestellten war im letzten Gemeindebrief abgedruckt - zusammen mit der Einladung, sich mit Fragen oder Sorgen an sie zu wenden. Ihr Anrufbeantworter nimmt jederzeit Nachrichten entgegen, und nach Dienstschluss ist Frau Daichendt auch persönlich für die Menschen da: zum Beispiel für die ältere Dame, deren Mann vor kurzem verstorben ist, oder für den Herrn, dessen Frau schwerkrank zu Hause gepflegt wird. "Mit mir können die Menschen Fragen besprechen, die sie vor ihren Angehörigen nicht auszusprechen wagen", sagt die Presbyterin.
 
Ein ganzes Jahr dauert der Kurs; die halbjährige Theoriephase mit fünf Wochenend-Blöcken im Erika-Stratmann-Haus in Bad Driburg hat die Willebadessenerin gemeinsam mit acht weiteren Frauen und einem Mann bereits absolviert. Die Kursleitung hatten Pfarrerin Britta Schwiete (Diakonie Paderborn-Höxter e. V.), Pfarrer Uwe Neumann (Ev. Gemeinde Beverungen) und Pfarrer Dieter Maletz (Ev. Gemeinde Höxter). Jetzt hat das Praktikum in der Gemeinde begonnen. "Der erste Kontakt ist von zentraler Bedeutung", weiß Hildegard Daichendt. "Hier entscheidet sich, ob ein vertrauensvolles Gespräch entstehen kann oder nicht." Selbstverständlich unterliegt sie ebenso wie Ärzte oder Pfarrer der Schweigepflicht.
 
Insgesamt sechs Gemeinden im Kirchenkreis Paderborn haben jetzt einen ehrenamtlichen Seelsorger oder eine ehrenamtliche Seelsorgerin im Praktikum: als Anlaufstelle in der Gemeinde oder in Besuchsdiensten für Krankenhäuser, Kurkliniken oder Seniorenheimen. Im Kreis Höxter gibt es Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Gemeinden Peckelsheim und Bad Driburg, außerdem Kranken- oder Alteneinrichtungen in Hofgeismar und Bad Driburg. Im Herbst 2006 beginnt voraussichtlich der zweite Kurs. Hildegard Daichendt ist nicht nur von der Wichtigkeit der Arbeit überzeugt, sondern kann auch den Kurs weiterempfehlen: "Ich habe in dieser Ausbildung unglaublich liebe Menschen kennen gelernt."
 


Hildegard Daicheindt
Hildegard Daicheindt ist Anlaufstelle für Sorgen und Probleme in der Evangelischen Kirchengemeinde Peckelsheim.
FOTO: DPH / CHRISTINE HARTLIEB

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