KOOPERATION Diakonie bietet Suchtkranken im Kreis Höxter umfassende Hilfen

"Wir setzen auf Prävention"

WARBURG / KREIS HÖXTER (dph) - Ob in der Stadt oder auf dem Land: Sucht ist ein großes gesellschaftliches Problem. Auch im Kreis Höxter leiden viele Menschen an der Abhängigkeit von Alkohol oder illegalen Drogen. Rund 450 Menschen - Betroffene und Angehörige - suchten in den letzten drei Jahren in der Diakonie-Beratungsstelle in Warburg Rat und Hilfe. Aber nach jetzigem Stand hat der Kreis Höxter seine Zuschüsse für die Beratungsarbeit zum 31.12.2006 gekündigt. Einziger geförderter Anbieter von Suchtberatung bliebe dann das Caritas-Beratungszentrum Brakel.
 
Die Diakonie Paderborn-Höxter e.V., Träger der Warburger Beratungsstelle, muss daher die Beratungskapazitäten im Bereich Sucht um eine halbe Stelle auf nur noch eine Vollzeitstelle abbauen. Aber sie bleibt in Verhandlungen mit dem Kreis - und geht dazu noch einen wichtigen Schritt nach vorn: "Wir wollen unsere diakonischen Kräfte und Kompetenzen bündeln - zum größten Nutzen hillfebedürftiger Menschen", sagte Diakonie-Geschäftsführerin Jutta Vormberg vor Journalisten in Warburg. Gemeinsam mit dem St.-Petri-Stift - dem ältesten diakonischen Träger im Kirchenkreis Paderborn - und den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel (Stiftungsbereich Integrationshilfen) gründete die Diakonie Paderborn-Höxter e. V. die "Diakonische Suchtkrankenhilfe im Kreis Höxter".
 
Eine Studie der Universität Siegen hatte ergeben: Der Bedarf an Hilfen für Suchtabhängige oder -gefährdete ist im Kreis weit höher als das Angebot. Das gilt nicht nur für die Beratung, sondern auch für ambulante Hilfen. Das St.-Petri Stift und die v. Bodelschwinghschen Anstalten haben daher den gemeinsamen Dienst "AmBoS" gegründet, "Ambulant Betreutes Wohnen Sucht". Menschen, die allein nicht mehr zurecht kommen, werden regelmäßig besucht, üben beispielsweise Haushaltsführung oder einen geregelten Tagesablauf ein und erhalten Hilfen bei Arztbesuchen oder Behördengängen.
 
"Die ambulante Betreuung ist eine Möglichkeit, Schlimmeres zu verhindern." Der Sozialpädagoge Friedel Jäschke, der "AmBoS" aufbaut und bereits nach wenigen Tagen im Dienst Anfragen zur Betreuung erhalten hat, weiß, wovon er spricht. Er hat viele Jahre in stationären Einrichtungen des St.-Petri-Stiftes gearbeitet. "Vielen Patienten in unseren Wohnheimen hätte eine früher einsetzende, ambulante Betreuung einiges erspart."
 
"Wir setzen auf den präventiven Charakter unseres Dienstes", betonte auch Erhard Wehn, Geschäftsführer des Stiftungsbereichs Integrationshilfen der v. Bodelschwinghschen Anstalten. Bethel betreut in Bielefeld zurzeit rund 250 Klienten ambulant und bringt damit einen umfangreichen Erfahrungsschatz in den neuen Dienst im Kreis Höxter mit ein. "Wir möchten den Kreislauf von Arbeitsplatzverlust, Wohnungsverlust und Verwahrlosung verhindern oder durchbrechen", so Wehn. Auch Wiedereingliederungshilfen im Anschluss an stationäre Maßnahmen bietet der Dienst.
 
Der Rahmen von AmBoS ist im Vergleich zu Bielefeld zunächst bescheiden: "Wir hoffen, in den nächsten Jahren 20-25 Menschen begleiten zu können", so Maik Belbouab, Leiter des Ambulant Betreuten Wohnens im St.-Petri-Stift. Erster Standort des Dienstes ist Warburg - die Ansiedelung von AmBoS in den Räumlichkeiten der Diakonie bietet beste Vernetzung mit den bestehenden Beratungsdiensten. Weitere Büros sollen in Bad Driburg und Höxter entstehen.
 
Kontakt: Diakonie-Beratungsstelle Warburg, Sternstr. 19.
Beratung der Diakonie Paderborn-Höxter e. V.:
Tel. (0 56 41) 78 88-0,
Sprechzeiten Mo 9-11, 15-17 Uhr, Di-Fr 9-11 Uhr
AmBoS: Tel. (0 56 41) 74 37 79,
Sprechzeiten Di 10-12 Uhr, Do 15-17 Uhr und nach Vereinbarung


Suchthilfe Warburg
Unterschriftsreif: Die Kooperation "Diakonische Suchthilfen im Kreis Höxter" ist perfekt. Zur Unterzeichnung trafen sich in Warburg (von links) Maik Belbouab (St.-Petri-Stift Höxter), Jutta Vormberg (Diakonie Paderborn Höxter e. V.) und Erhard Wehn (v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel).
FOTO: dph/CHRISTINE HARTLIEB

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