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Leidenschaften und Seelenzustände
Pianistin Jutta Rieping begeisterte in Schloß Neuhaus
SCHLOSS NEUHAUS (ahd) - Er war "ein Zeichen für die Freude am Leben": der Klavierabend mit der gebürtigen Paderbornerin Jutta Rieping begeisterte nicht nur den Vorsitzenden des gastgebenden Ambulanten Hospizdienstes St. Johannisstift e. V., Dr. Axel Stein, sondern auch sämtliche Zuhörer im völlig ausverkauften Spiegelsaal des Neuhäuser Schlosses.
Mit Werken von Domenico Scarlatti, Sergej Prokofjew und Joseph Haydn stellte Jutta Rieping im ersten Teil die Gattung der Sonate in den Mittelpunkt. Die zweite Konzerthälfte war ganz Fréderic Chopin gewidmet. Dabei wiesen besonders die zehn Préludes aus Chopins op. 28 weit über den Kunstgenuss hinaus auf existenzielle menschliche Leiden(schaften) und Seelenzustände:
Chopin komponierte diese höchst unterschiedlichen, aber dennoch alle von Melancholie durchzogenen Miniaturstücke während eines Aufenthaltes auf der Insel Mallorca: Statt der erhofften Linderung seines Lungenleidens trat Verschlechterung ein, er halluzinierte, schließlich wurde Schwindsucht diagnostiziert. Jutta Rieping interpretierte atmosphärisch dicht, lotete Höhen und Tiefen aus, ohne je das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.
"Sterben ist kein Versagen, keine Niederlage, sondern die Vollendung des Lebens", machte Stein im Rahmen des Konzertes auf die Anliegen und Grundsätze des Ambulanten Hospizdienstes aufmerksam. Er warb um Unterstützung der Hospizbewegung: "In psychozialer und spiritueller Weise begleiten unsere Ehrenamtlichen Schwerkranke und Sterbende auf der letzten Wegstrecke des Lebens." Nicht die aktive Sterbehilfe biete Antworten auf aktuelle medizinische und ethische Fragestellungen, sondern die Ermöglichung eines Abschieds in Würde und Menschlichkeit.
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