Ambulanter Hospizdienst lud zum Vortrag mit Konrad Pfaff

"Was uns zur Klage bringt, ist das Wunder des Lebens"

PADERBORN (ahd) - "Wir brauchen mehr Sterbebegleitung, aber auch mehr Freudenbegleitung." Um ein intensiveres menschliches Mitainander und das Recht auf starke Gefühle ging es in dem Vortrag von Prof. Dr. Konrad Pfaff (Dortmund), der auf Einladung des Ambulanten Hospizdienstes St. Johannisstift e. V. am Dienstagabend im Dietrich Bonhoeffer-Haus referierte.
 
Der Soziologe, der sich auch mit der Gerontologie, also der Wissenschaft des Alterns, befasst, ist emeritierter Professor der Universität Dortmund. Der Hospizidee fühlt er sich auch aufgrund persönlicher Erfahrungen seit langem verbunden. Vor den rund 60 Zuhörern in Paderborn machte er sich einmal mehr zum Anwalt für die Integration des Sterbens und des Trauerns in das gesellschaftliche Leben.
 
"Das Wissen um die eigene Vergänglichkeit und die Ausformung von Ritualen um Sterbende und Gestorbene ist ein wichtiger Schritt der Evolution und in der Bewusstseinsbildung des Menschen", führte er aus. Umso schlimmer sei daher die Tatsache, dass die heutige Gesellschaft nicht nur vor dem Tod die Augen verschließe, sondern auch keinen Raum für Trauer und Klage biete: "Wir trauen uns nicht mehr, laut zu klagen", so Pfaff. Dabei bezeichnete er die laute Klage als Äußerung akuten Schmerzes und lebendigen Bewusstseins: "Was uns zur Klage bringt, ist das Wunder des Lebens."
 
Vorschnellen Trost - auch durch die Religion - lehnte Pfaff ab: "Ich kann verzweifelt klagen und trotzdem glauben", sagte er und entfachte damit eine lebhafte Diskussion. Nicht zuletzt könne Klage auch zur politischen Anklage gegen die Reichen und Mächtigen werden, sagte Pfaff und verwies auf Argentinien, wo Frauen, Mütter und Töchter von Opfern des totalitären Regimes sich regelmäßg treffen und öffentlich um ihre Angehörigen klagen.
 
Als Gast des Hospizdienstes und Anhänge der Hospizbewegung äußerte sich der Soziologe auch zur Sterbebegleitung: "Der Sterbende hat nur eine Sehnsucht: einen authentischen Menschen bei sich zu haben." Elementare menschliche Gesten wie zärtliche Berührungen oder einfaches Zuhören gewännen hier zentrale Bedeutung. Pfaff: "Sie müssen lernen, zuzuhören, ohne zu verstehen, ohne Antworten zu wissen." Über die Angst bei Sterbenden und Angehörigen sagte er: "Lassen wir die Angst zu. Dann wird sie zur Verbündeten des Lebens."

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Konrad Pfaff
Kämpft dafür, die Trauer in das gesellschaftliche Leben zurückzuholen: Prof. Dr. Konrad Pfaff.
FOTO: AHD / CHRISTINE HARTLIEB

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