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Diakonie begleitet "Baby-Bedenkzeit" an der Meinwerkschule
Auf einen guten Zeitpunkt warten
Paderborn (dph) - Johannes, Viktoria, Manuela und Conner brauchen viel Pflege. Sie müssen gefüttert, gewickelt, in den Schlaf gewiegt, herum getragen und natürlich liebgehabt werden. Die vier sind keine Neugeborenen, auch wenn sie (fast) so aussehen, genauso groß und genauso schwer sind: Es sind Puppen - "Baby-Simulatoren". Angeschafft von der GEW-Fachgruppe Sonderpädagogik in Paderborn, kamen die vier Puppen nach einem ersten Projekt in der Sertürner Schule in Schloß Neuhaus nun in der Paderborner Meinwerkschule zum Einsatz.
Anlass war die freiwillige AG "Babybedenkzeit", an der im zu Ende gegangenen Schuljahr zwölf Schülerinnen aus den 8. bis 10. Klassen der Meinwerkschule teilnahmen. Auf dem Programm standen Fragen wie die Bedeutung der Elternschaft, der Alltag mit einem Kind, Kosten, die durch ein Kind entstehen, aber auch medizinische oder ernährungstechnische Themen.
"Zu jedem Thema haben wir auch eine Paderborner Institution besucht", berichtet die verantwortliche Lehrerin Marion Stegemann-Sachs: Die Hebammen im St. Johannisstift stellten Geburtsbereich und Kreißsaal vor, im Mutter-Kind-Haus lernten die Schülerinnen sehr junge Mütter kennen, die mit ihren Kindern dort ein neues Zuhause gefunden haben. Informationen zur Gesundheit gab es bei einer Kinderärztin und der AOK-Ernährungsberatung, die Vorstellung sozialer Hilfen erfolgte u. a. beim Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes Paderborn und bei der Kathloschen Arbeitsgemeinschaft Babyfenster.
"Den stärksten Eindruck haben natürlich die Puppen hinterlassen", berichtet die Lehrerin. In den rund 700 Euro teuren Simulatoren verbergen sich Computerchips. Manuell programmiert werden können nur die "Aktiv-Zeiten" des Babys. Was das Baby in den "Aktiv-Zeiten" allerdings tut - ob es Hunger hat, gewickelt werden muss, nörgelt oder fröhlich brabbelt, Zuwendung braucht oder lautstark brüllt, bestimmt der Computer. Jeweils zwei Tage und zwei Nächte bekam jedes Mädchen so ein "Baby" mit nach Hause. Dann galt es, den kompletten Alltag mit dem Kind zu bewältigen: Schulweg und Schulunterricht, Mahlzeiten, Freizeitaktivitäten und natürlich die Unterbrechungen in der Nacht.
Dabei stellte ein Armband, ebenfalls mit Computerchip, sicher, dass sich auch wirklich die aktuelle "Mutter" um das Kind kümmerte. Der Ablauf der zwei Baby-Bedenk-Tage wurde außerdem gespeichert, so dass die Gruppe hinterher den Umgang jeder "Mutter" mit dem Baby auswerten konnte. "Es war eine echte Herausforderung", so Marion Stegemann-Sachs. "Aber es hat den Mädchen auch Spaß gemacht. Viele fanden die Tage mit dem Kind schön, wollen mit einer echten Mutterschaft aber auf einen guten Zeitpunkt in ihrem Leben warten."
Auftakt- und Abschlussbesuch machten die Mädchen in der Diakonie-Beratungsstelle in der Riemekestraße. "Die Zusammenarbeit mit allen Institutionen war hervorragend", blickt die Lehrerin zurück. Bei der Diakonie gab es Informationen zur Verhütung ebenso wie Beratung zur Elternschaft, zu Beziehungsfragen und sozialen Hilfemöglichkeiten. "Wir möchten die Schülerinnen dabei unterstützen, sich bewusst mit dem Thema Schwangerschaft auseinanderzusetzen", kommentiert die Sexualpädagogin Andrea Rottmann. "Sie haben so eine gute Grundlage, das Für und Wider abzuwägen oder den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen."
| Kontakt: Meinwerkschule Paderborn, Marion Stegemann-Sachs, Tel. 0 52 51 / 52 70 50; Spenden sind willkommen an den Verein der Eltern und Förderer der Meinwerkschule e. V., Kto.-Nr. 470 002 86, BLZ 472 501 01, Stichwort "Babybedenkzeit" |
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