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"Kampfesspiele" - ein neuer Ansatz der Arbeit mit Jugend-Cliquen
Streetwork ist erst der Anfang
Paderborn (dph) -
"Wie war's für Euch? War's fair?" Carlos Tomé, Sozialarbeiter der Diakonie- Anlaufstelle "Unter dem Regenbogen" im Stadtteil Kaukenberg, ist umringt von fünf Jungen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Auf blauen Turnmatten haben drei der Jungs heftig miteinander gerangelt, nach der Runde wird ausgewertet: Wurden alle Regeln befolgt? Haben alle, Faust an Faust und mit wirklichem Blickkontakt, das Begrüßungsritual vollführt? Keine verbotenen Schläge? Kein Nachtreten, wenn die Runde schon entschieden war?
Raufen erlaubt: Kampfesspiele - hier unter Anleitung von Sozialarbeiter Carlos Tomé - stärken den positiven Umgang mit männlicher Kraft und Aggression.
"Kampfesspiele sind eine neue Methode der Jungenarbeit. Sie haben viele Funktionen", kommentiert Tomé in einer Pause. Es gehe nicht um Kampfsport-Techniken, wie Judo oder Karate. "Es geht einfach darum, dass die Jugendlichen positiv mit männlicher Kraft und Aggression umgehen lernen." Das Selbstvertrauen werde gestärkt, aber die Heranwachsanden würden auch mit Gefühlen wie "drohendem Gesichtsverlust" oder "Beschämung" konfrontiert.
Kennen gelernt haben Tomé und seine Kollegin Alexandra Nodzynski die Jungen - größtenteils Migranten - auf dem Spielplatz "Auf der Welle". Dort treffen sie sie auch jetzt noch regelmäßig, wenn die Anlaufstelle "Unter dem Regenbogen" gerade nicht geöffnet hat. "Zu Hause wollen viele Jugendliche sich nicht aufhalten, es ist zu eng, um Freunde einzuladen oder es gibt familiäre Probleme", so Alexandra Nodzynski. Also versammeln die Jungen sich auf öffentlichen Plätzen. "Deshalb ist unser Streetwork so wichtig." Abends machen sich die Sozialarbeiter auf den Weg, um die Jugendlichen in die Anlaufstelle einzuladen, sie auf das Sprechstunden-Angebot hinzuweisen oder Hilfe bei Schulproblemen oder Bewerbungen anzubieten.
Die Jungen stellen sich wieder auf. Nach dem "Dreieckskampf" und dem "Insulanerspiel" kommt jetzt das "Rübenziehen": Eine Handtuchrolle liegt in der Mitte der Mattenbahn, zwei Jungen - von jeder Seite einer - müssen versuchen, die Rolle zu ergattern und auf die eigene Seite zu bringen - Raufen erlaubt, so lange keiner verletzt wird. Wer gerade nicht kämpft, steht am Rande des Mattenrings und passt auf, dass keiner auf den harten Boden draußen aufprallt. Auch die kleineren oder weniger Sportlichen sind noch mit großer Energie dabei, alle sind außer Atem, aber keiner wird müde. "Du bist ein guter Verlierer", sagt einer am Ende zu seinem Gegner.
"In den Cliquen, in denen die Jungs sich bewegen, spielen Werte wie männliche Ehre, Kraft oder Durchsetzungsvermögen eine große Rolle", so Tomé weiter. "Unser Ansatz ist geschlechtsspezifisch, wir beschäftigen uns viel mit dem Rollenverständnis - dem aus der früheren Heimat und dem, das ihnen in Deutschland begegnet." Der Ansatz sei präventiv, Ausgrenzung, Gewaltanwendung oder Drogenmissbrauch sollen so verhindert werden.
Einige der Jungen haben auch schon an Workshops zu Nikotin und Alkohol bzw. zum Thema Pubertät teilgenommen. "Hier konnten Sie gemeinsam mit der Sexualpädagogin aus der Diakonie-Beratungsstelle Riemekstraße über das "Mann-Sein" reden, und über Dinge, die in den Familien tabu sind", kommentiert Tomé.
Kontakt: Diakonie Paderborn-Höxter e. V. Anlaufstelle "Unter dem Regenbogen" Tel. 05251 / 640 637 kaukenberg@diakonie-pbhx.de
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