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10 Jahre Beratungsstelle Auf der Lieth
Erste Wurzeln schlagen
Lydia Hake (links) und Elena Neverov (rechts) von der Diakonie Paderborn-Höxter e. V. sind die ersten Ansprechpartnerinnen für Migrantinnen und Migranten im Stadtteil auf der Lieth. Foto: Christine Hartlieb
Paderborn (ekp) - Der Fall des Eisernen Vorhangs ermöglichte zahlreichen Russlanddeutschen erstmals die zum Teil lang ersehnte Ausreise. Eine Vielzahl von Menschen strömte nach Deutschland - auch nach Paderborn. Es war die Zeit der überfüllten Übergangswohnheime, der Unterbringung in Schulen und Turnhallen.
In den Paderborner Stadtteilen Auf der Lieth und Kaukenberg setzte eine Welle des sozialen Wohnungsbaus ein. Die Träger von Beratungsangeboten und Integrationsmaßnahmen für Aussiedler sahen sich vor eine große Aufgabe gestellt: Fehlende Infrastrukturen, lange Wartezeiten, Sprechstunden nicht selten im Trubel dicht belegter Sporthallen.
Die Diakonie Paderborn-Höxter e. V. hat ihr Angebot für Aussiedler in dieser Zeit stark erweitert. 1993 konnte sie endlich auch in unmittelbarer Nähe des Übergangswohnheims Auf der Lieth - im Gemeindehaus des evangelischen Lukas-Pfarrbezirks - eine feste Beratungsstelle für Aussiedler installieren.
Bis heute ist diese Einrichtung von größter Bedeutung. Der statistisch erfasste Aussiedleranteil der Stadtteile Lieth und Kaukenberg liegt bei 30 Prozent, in der Realität sind es aber deutlich mehr (nach fünf Jahren in Deutschland werden Aussiedler nicht mehr als solche erfasst). Das Übergangswohnheim Auf der Lieth verzeichnete im Jahr 2002 immerhin noch 175 Neuzugänge, 2003 waren es 113. Aufgrund der neuen gesetzlichen Regelungen handelt es sich hier meist um so genannte "Härtefälle".
Die Aussidlerberatung der Diakonie ist ihr erster Anlaufpunkt in der neuen Heimat, hier können die Neubürger besprechen, was für Anträge und Behördengänge notwendig sind, wo sie ihre Deutschkenntnisse verbessern können, wo ihre Rechte und Pflichten liegen. Ergänzt wird die Betreuung der Neuankömmlinge durch den ehrenamtlichen Besuchsdienst des evangelischen Lukas-Pfarrbezirks.
Doch um im neuen Land wirklich Wurzeln zu schlagen, braucht es meist mehr als die Hilfe bei der Bürokratie und die Begleitung in den ersten Tagen und Wochen in der neuen Stadt. Sprachschwierigkeiten müssen behoben, kulturelle Kluften überwunden werden. Die Unterschiede zum früheren Leben sind erheblich. Daher wurden neben der Beratungsarbeit auch Gruppenangebote für Kinder (Freizeitangebote und Hausaufgabenbetreuung), Jugendliche, Senioren, Frauen oder junge Mütter ins Leben gerufen. Die Nachfrage ist groß, und die Tatsache, dass viele der größtenteils ehrenamtlichen MitarbeiterInnen selber AussiedlerInnen sind, hilft bei dem Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Klienten sehr.
Die radikale Veränderung der Lebensumstände stellt häufig auch den Zusamenhalt von Ehen und Familien vor große Belastungsproben. Zusätzlich zu den regelmäßigen Gruppenangeboten ist daher auch nach längerem Aufenthalt in Deutschland individuelle Begleitung gefragt. Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Existenznöte werden durch die bevorstehenden Sozialreformen nicht gemindert werden; auch Ehe- und Erziehungsprobleme sind häufig wiederkehrende Themen. In vielen Fällen können die Berater hier auch an andere Stellen des sozialen Netzes weitervermitteln.
Die Beratungsstelle Auf der Lieth mit alle ihren Aktivitäten ist in den letzten 10 Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil des Stadtteils geworden. Mittlerweile werden hier nicht mehr nur Aussiedler, sondern Migranten aller Herkunftsländer betreut. Die Diakonie Paderborn-Höxter versucht daher alles, um den weiteren Erhalt der Angebote sicher zu stellen.
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