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Mitgliederversammlung der Diakonie Paderborn-Höxter
Diakonie entwickelt Konzepte für neue Anforderungen
Zukunftssorgen standen bei der Mitgliederversammlung der Diakonie
Paderborn-Höxter im Zentrum. Sie suchen nach neuen Wegen: Dr. Werner Max
Ruschke, Vorsitzender des Evangelischen Perthes-Werkes e.V., Jutta Vormberg,
Geschäftsführerin und Vorstand der Diakonie, Superintendent Christoph
Berthold, Vorsitzender des Verwaltungsrates und Vorstand Detlev Schuchardt
(von links).
26. September 2003
Bad Driburg (cla). Bundes- und Landespolitik wie die aktuellen
Sparbeschlüsse der NRW-Regierung für den kommenden Haushalt spielten bei der
Mitgliederversammlung der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. eine große Rolle.
Sie schneiden massiv in die Arbeit der Wohlfahrtsverbände ein. Als Folge
drohen Einsparungen und der Abbau von Angeboten in der sozialen Arbeit.
Angesichts dieser Situation fragte Superintendent Christoph Berthold,
Vorsitzender des Verwaltungsrates, besorgt: „Wie geht es weiter mit Kirche
und Diakonie?“ Den Geschäftsbericht 2002 stellte Jutta Vormberg, neue
Geschäftsführerin beziehungsweise Vorstand der Diakonie, vor. 30 Vertreter
der Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen in den Kreisen Paderborn
und Höxter hörten im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Bad
Driburg ihre Bilanz.
Das Berichtsjahr war geprägt von Sparzwängen, denen mit neuen Konzepten
und Kooperationen mit anderen Trägern begegnet wurde. Das finanzielle
Ergebnis 2002 fällt durch höhere Kirchensteuereinnahmen als erwartet und
gestiegene Dienstleistungserträge positiv aus. „Das hält uns etwas den
Rücken frei“, sagte die Geschäftsführerin. Denn wie die nächste Bilanz
ausfallen wird, ist mit vielen Risiken verbunden.
Die Diakonie finanziert sich rund je zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln
und aus einem Anteil an der Kirchensteuer. Die Höhe der
Kirchensteuereinnahmen lasse sich nur noch schwer vorhersagen, so Vormberg
weiter. Und das bei zunehmenden Aufgaben sowie steigenden Anfragen nach
konkreter Hilfe von den Betroffenen des Sozialabbaus, Stichwort
Hartz-Konzept.
Erste Auswirkungen der Sparzwänge zeigen sich schon in allen
Arbeitsbereichen der Diakonie. Die Existenz der ökumenischen Bahnhofsmission
in Paderborn ist gefährdet, wenn ein Zuschuss der katholischen Kirche
ausbleibt. Der Kreis Höxter konnte nur durch intensive Beratungen von der
weiteren Finanzierung der ökumenischen Sucht- und Drogenberatung überzeugt
werden. Er will dafür aber die Globalmittel aller Wohlfahrtsverbände kürzen.
Aber auch von Erfolgen der Arbeit der Diakonie konnte die
Geschäftsführerin berichten: Die Begegnungsstätte für Aussiedler und
Einheimische in Borchen wird, nachdem die Projektförderung ausgelaufen ist,
ehrenamtlich weitergeführt. Ausgebaut werden konnte die Insolvenzberatung im
Kreis Höxter, jetzt gibt es Angebote in Höxter und Warburg.
Angesichts dieser Beispiele möchte Jutta Vormberg mit der Diakonie
zukünftig die Sozialpolitik in den beiden Kreisen aktiv mitgestalten, denn
vor Ort werde über die Verteilung der knappen Mittel verhandelt.
Die Mitgliederversammlung beschloss einstimmig die Entlastung des
Verwaltungsrates und des Vorstandes der Diakonie.
Um die Grenzen der Finanzierbarkeit ging es auch beim anschließenden
Vortrag von Dr. Werner Max Ruschke, Vorsitzender des Evangelischen
Perthes-Werkes e.V. aus Münster, zum Thema „Alt werden in unserer
Gesellschaft“. Danach stecke die Altenpflege noch nicht in einem Notstand,
aber in einer Krise. Die Verantwortlichen reagierten darauf ratlos, so
Ruschke. „Niemand weiß, wo das Geld herkommen soll.“ Mit Rente und
Pflegeversicherung allein sind die Kosten für ein Altenpflegeheim nicht mehr
zu bezahlen.
Ein brisantes Thema, wie auch das Unwort „Überalterung“ der Gesellschaft
zeigt. Die Mitgliederversammlung schlug vor, es als Thema auf einer Synode
des Evangelischen Kirchenkreises ausführlich zu behandeln. |