Jugendliche machen sich stark für Begegnungsstätte in Borchen

6. Februar 2003

BORCHEN (dph) - Die Zukunft der „Begegnungsstätte für Aussiedler und Einheimische“ in Borchen scheint gesichert. Nach Ablauf der Förderung durch den Bund wird die Einrichtung seit Anfang Februar ehrenamtlich weitergeführt. Nach Einschätzung der Diakonie Paderborn-Höxter, die das Projekt bis Ende Januar hauptamtlich betreute, ist dies die einzige Chance, um einen Teil der Integrationsarbeit in Borchen fortzuführen.

Engagierte Jugendliche aus Borchen hatten sich im Januar bereit erklärt, die Verantwortung für die Arbeit der Begegnungsstätte zu übernehmen. Sie wollen nun dafür sorgen, dass die Räume in dem Haus in der Dörenhagener Straße weiterhin als Treffpunkt für junge Aussiedler und einheimische Jugendliche bestehen bleiben.

Bis Ende Januar bot die Begegnungsstätte allen Aussiedlern und Einheimischen einen Raum, sich zu treffen und kennen zu lernen. Neu angekommene Aussiedler fanden hier Landsleute, die sie beim Einleben in die deutsche Gesellschaft unterstützten.

Wer erste Erfahrungen in Deutschland gemacht hat, kann oftmals wertvolle Orientierungshilfe bei der Gradwanderung zwischen neuen Werten und Normen einerseits sowie den mitgebrachten Traditionen und Bräuchen andererseits geben. „Viele Menschen haben in der Begegnungsstätte ein neues Selbstverständnis erfahren“, sagt Diakonie-Mitarbeiterin Vera Köhler. Die Wertschätzung, die Aussiedler aller Altersgruppen hier erfahren haben, sei wesentliche Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Auch den einheimischen  Borchener Bürgern habe die Begegnungsstätte eine Möglichkeit geboten, sich über Herkunft und Geschichte der neuen Mitbürger zu informieren.

Viele Angebote, so Köhler, hätten sich natürlich an den Bedürfnissen und Wünschen der neu angekommenen Aussiedler orientiert. „Neben Hausaufgabenhilfe und Sprachtraining trafen sich regelmäßig ein deutsch-russischer Kochkreis und eine Sportgruppe“, resümiert Köhler. Am offenen Treff und kulturellen Veranstaltungen - Theateraufführungen, Ausstellungen, Diavorträge oder Literarische Abende - hätten dagegen nicht nur Aussiedler teilgenommen, sondern auch viele einheimische Borchener. So seien zahlreiche Kontakte zu Vereinen sowie öffentlichen und kirchlichen Einrichtungen entstanden, die weiterhin zur Integration vieler Aussiedler beitrügen, so Köhler.

Vom Bund gefördertes Projekt lief aus

Knapp 70 Prozent der Kosten des von Diakonie Paderborn-Höxter und Gemeinde Borchen getragenen Projekts der „Begegnungstätte für Aussiedler und Einheimische“ wurden bis Ende Dezember vom Bund aufgebracht. Diese Unterstützung war aber von Anfang an auf drei Jahre beschränkt und eine Verlängerung dieses jährlichen Zuschusses von rund 50.000 Euro ausgeschlossen.

Bereits im November 2001 zeichnete sich ab, dass das Ziel einer „Verselbstständigung“ der Begegnungsstätte bis Ende 2002 nicht zu erreichen sei, da sich der eigentliche Projektbeginn wegen Umbauarbeiten verzögert hatte. Bis Mitte Januar 2003 berieten Diakonie und Ortsgemeinde zusammen mit der Kirchengemeinde und Mitgliedern des Aussiedler-Vereins „Monolith“ über eine Fortführung der Arbeit in der Begegnungsstätte.

Till Heidlindemann, Vorstand der Diakonie Paderborn-Höxter, hatte der Ortsgemeinde angeboten, aus Diakonie-Geldern 10.000 Euro beizusteuern, wenn sich die Ortsgemeinde ihrerseits entschließe, die Begegnungsstätte mit 20.000 Euro zu unterstützen. So sollte die professionelle Betreuung der neuen Strukturen während der Übergangszeit gewährleistet werden. Im Dezember jedoch erteilte die CDU-Mehrheit im Ausschuss für Sport, Jugend und Kultur der Gemeinde Borchen einem entsprechenden Antrag der Diakonie eine Absage. Unterstützen wolle die Gemeinde die Begegnungsstätte aber dahin gehend, dass sie die Räume weiterhin mietfrei zur Verfügung stelle.

Diakonie-Vorstand Heidlindemann zeigte sich enttäuscht von der Ablehnung seines Antrags. So sei es nicht möglich, die konzeptionelle Integrationsarbeit, die sich allen Bezugsgruppen öffne, weiterzuführen. Auch SPD-Ratsmitglieder und die evangelische Kirchengemeinde hatten sich für eine vorübergehende, professionelle Weiterführung der Begegnungsstätte ausgesprochen, um die „Verselbstständigung der Angebote von Ehrenamtlichen Schritt für Schritt vorzubereiten“.

Verständigt haben sich Politik, Kirche und Diakonie nun darauf, ein neues Gremium ins Leben zu rufen, dass die Jugendlichen, die sich bereit erklärt haben, die Arbeit ehrenamtlich fortzuführen, beraten und unterstützen soll. Diesem Beirat gehören Vertreter von Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Kirchen- und Ortsgemeinde sowie Mitglieder von „Monolith“ an.

Nicht betroffen vom formalen Ende des Projekts ist die Aussiedlerberatung; Diakonie-Mitarbeiterin Vera Köhler soll auch
künftig in Borchen präsent sein.

 

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